German poem
An wegen eines Vorwurfs über Liebe
by Anton Wilhelm Christian Fink (1770–1794)
Jüngling, willst du mich verdammen? Jüngling, hast du nie geliebt? Loderte in gleichen Flammen Nie dein Herz mit der zusammen Die des Himmels Vorschmack giebt? O so schweig! Vermag dem Kranken Aller Freuden Götterwein – Göß auch Hebe selbst ihn ein – Ungekostet, die Gedanken Seines Trübsinns zu zerstreun? –
Mich verdammen? – Jüngling, weine! Denn noch lacht kein Morgenroth Deinem Lenz mit Purpurscheine, Da den Kelch von diesem Weine Dir noch nie die Göttin bot. Unter Winternächten starrend, Schlummert deiner Freude Land Kaum geahndet! Auf die Hand Einer mildern Allmacht harrend, Die des Nebels Nacht verbannt. Heil! Mir sind sie nun entflogen Nebelhüll und Winternacht! Seit im goldnen Strahlenbogen Du am Aether aufgezogen, Du auf mich herabgelacht. Wie einst Orpheus Zauberleier Leben strömte durch den Hain, Leben durch den Marmorstein, Goßest du der Liebe Feuer Durch dieß schlummernde Gebein.
In der Jugend schwachem Kahne Irrt’ ich mit der Sehnsucht Weh Auf des Lebens Oceane, Als die hohe Götterfahne Mir vom Ufer flatterte. Ha! Willkommen Lustgefilde! Muttererde sey gegrüs’t! Wo die Thräne, die noch fließt Mit dem Rosenmund die Milde Von des Dulders Wange küßt. Neu durchathmet, neugebohren Fühl’ ich meines Geistes Kraft; Röther schimmern mir Auroren, Freundlicher umtanzen Horen Meine neue Pilgerschaft. Dichter, schwesterlicher ketten Sich der Freude Wonnereihn, Nachtigallen flöten drein, Singen mich auf Rosenbetten Sanft zu süßen Träumen ein.
Schöner, als beym Göttermahle, Beut die Liebe mir die Frucht, Süsser labt der Quell im Thale Als der Wein der Nektarschaale, Denn den Quell hat sie gesucht! Werther, daß ihn Pindar [sänge], Ist der Kranz, den ihre Hand Im bescheidnen Thale band, Als die Kron’ im Festgepränge, Die dem Sänger Hellas wand. Jüngling, guter Jüngling, weine! Deiner Freude Blüthe bricht; Denn die Himmlische, die Eine Pflegt in ihrem Sonnenscheine Der verwaisten Blüthe nicht .- Seelig, seelig, wem die Liebe Zu des Lebens Trost und Stab, Eine holde Freundinn gab; Nimmer zieht sein Himmel trübe Sich um seiner Freuden Grab.
Liebe giebt ihm Adlerflügel, Hoch empor zum Sonnenlauf; Liebe, Gottes reiner Spiegel, Drükt der Unschuld heilges Siegel Ihrem Schöngebohrnen auf; Winkt vom Himmel Engel nieder, Zaubert ewig jung und grün Ein Arcadien um ihn, Wo die Freud’ und Unschuld wieder Traulich durch die Hütten ziehn. Wenn der Sturm des Lebens stürmet, Tausend Wetter ihn umdrohn, Woge sich auf Woge thürmet, O! wer faßt, wer hält, wer schirmet Der Verzweiflung Unglückssohn? – Liebe mit der starken Rechte Schirmt des Glükkes Königssohn! Sieh! Die Wetter sind entflohn, Und durch helle Sternennächte Säuselt sanft ihr Silberton:
„Sey gegrüßt! Vom Wogenschwarme Sollst du, matter Dulder, nun Nach des Lebens Müh’ und Harme In der Liebe sicherm Arme Weich auf Rosenbetten ruhn! In dem ersten keuschen Kusse, Den dir deine Milde küßt, Wenn sich Seel’ in Seel’ ergießt, Sey mit himmlischem Genusse Jedes Erdenweh versüßt.“ Sieh! Wie mir der Engelfriede Labungsvoll entgegenfliegt. Nachtigall mit deinem Liede Wird im süssen Traum der Müde Nach Elysium gewiegt. Still ihr Lüfte. Leis’ umflügelt In der Ahndung Silberflor Mich der Träume stilles Chor, Und ein süsses Sehnen spiegelt Mir ein schön’res Eden vor. –
Dufte süßer, heil’ge Blume, Rinne leiser, Schattenbach! Saiten, schweigt vom Heldenruhme, Hallt in diesem Heiligthume Nur das Kußgeflüster nach! Ha! dieß Stammeln! Ha, dieß Beben! Dieser glühe Flammenkuß, Dieser Wonnen Vollgenuß – Kündet das ein höhres Leben – Oder Nacht des Erebus? –
W. Fink.