Versos German August Daniel von Binzer Allgemeines Deutsches Kommersbuch:94

German poem

Allgemeines Deutsches Kommersbuch:94

by (1793–1868)

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1. Stoßt an! - - soll leben! Hurra hoch! Stoßt an! - - soll le=ben! Hur=ra hoch! Die Phi=lis=ter sind uns ge= wo=gen meist, sie ah=nen im Burschen, was Frei=heit heißt. Frei ist der Bursch, frei ist der Bursch!

2. |: Stoßt an! - - - - lebe! Hurra hoch! :| Der die Sterne lenket am Himmelszelt, der ist's, der unsre Fahne hält. |: Frei ist der Bursch! :|

3. Stoßt an! Vaterland lebe! Hurra hoch! Seid der Väter heiligem Brauche treu, doch denkt der Nachwelt auch dabei! Frei ist der Bursch!

4. Stoßt an! Landesfürst lebe! Hurra hoch! Er versprach zu schützen das alte Recht, drum wollen wir ihn auch lieben recht. Frei ist der Bursch!

5. Stoßt an! Frauenlieb lebe! Hurra hoch! Wer des Weibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der hält auch Freiheit und Freund nicht wert. Frei ist der Bursch!

6. Stoßt an! Männerkraft lebe! Hurra hoch! Wer nicht singen, trinken und lieben kann, den sieht der Bursch voll Mitleid an. Frei ist der Bursch!

7. Stoßt an! Freies Wort lebe! Hurra hoch! Wer die Wahr= heit kennet und saget sie nicht, der bleibt ein ehrlos erbärmlicher Wicht. Frei ist der Bursch!

8. Stoßt an! Kühne That lebe! Hurra hoch! Wer die Folgen ängstlich zuvor erwägt, der beugt sich, wo sich die Übermacht regt. Frei ist der Bursch!

9. Stoßt an! Burschenwohl lebe! Hurra hoch! Bis die Welt vergeht am jüngsten Tag, seid treu, ihr Burschen, und singet mir nach: „Frei ist der Bursch!“

1. Und mag auch die Menschheit nicht rasten noch ruhn, sich alles nach Wunsch zu gestalten; das Glück zu erjagen, das Äußerste thun und heiligen Eifer entfalten; bald wird ihr vor ihrer Gottähnlichkeit bang, das Streben, die Hitze, der glühende Drang verkühlt sich, ver= spielt sich, es schallet der Sang: Wie herrlich, wie herrlich im Kalten!

2. Strohfeuer verlodert und Jugend versprüht, es bleiben die Alten, die Kalten, die Gleichmut bewahren im heitern Gemüt und überall Fassung behalten. Beim Bierglas, beim Weinglas, den Tischen ent= lang, erwarten sie ruhig den Weltuntergang; bis dahin erschallet ihr Männergesang: Wie herrlich, wie herrlich im Kalten!

3. Du willst mit dem Kopf durch die Wand mit Gewalt, es lassen die Götter dich schalten, doch rufen die löblichen Trinker: Nur kalt! du sollst nicht zu hoch hinaus halten. Nur kalt! wenn das Höchste dir dreimal gelang, nur kalt! wenn das Unheil dich drückt an den Hang, das Maß sollst du halten! Schon Pittakos sang: Wie herrlich, wie herrlich im Kalten!

4. Was philosophieren und reden wir viel, dem Forscher gehört es zum Alten: der Weltraum ist dunkel und schauerlich kühl, ist selber ein Loch nur im Kalten. Doch gehen die Sonnen den donnernden Gang, und Sterne drin leuchten von jeglichem Rang, so klinget har= monischer Sphärengesang: Wie herrlich, wie herrlich im Kalten!

5. Ihr seht auf der Berge gewaltigem Joch den wandernden Glet= scher sich spalten, da gähnet ein kaltes, ein schauriges Loch, doch gleißt es smaragden, kobalten. Die Freundschaft erliegt nicht dem frostigen Zwang, der Frohsinn erstarrt nicht, und lange noch, lang erschallet im Loche der lustige Sang: Wie herrlich, wie herrlich im Kalten!

1. Und stürmt es, was es stürmen mag, und schneit es ohne Ende, es kam herauf der Siegestag der Wintersonnenwende. Zu Schanden ward des Feindes List, es siegt der Gott der Sonne. Nenn ihn ge= trost den heilgen Christ, den Spender aller Wonne.