German poem
Wir hatten gebauet
by August Daniel von Binzer (1793–1868)
Wir hatten gebauet ein stattliches Haus |: und drin auf Gott vertrauet trotz Wetter, Sturm und Graus. :|
Wir lebten so traulich, so innig, so frei, |: den Schlechten ward es graulich, wir lebten gar zu treu! :|
Sie lugten, sie suchten nach Trug und Verrat, |: verleumdeten, verfluchten die junge grüne Saat! :|
Was Gott in uns legte, die Welt hat's veracht't, |: die Einigkeit erregte bei Guten selbst Verdacht! :|
Man schalt es Verbrechen, man täuschte sich sehr; |: die Form kann man zerbrechen, die Liebe nimmermehr. :|
Die Form ist zerbrochen, von außen herein, |: doch, was man drin gerochen, war eitel Dunst und Schein. :|
Das Band ist zerschnitten, war Schwarz, Rot und Gold, |: und Gott hat es gelitten, wer weiß, was er gewollt! :|
Das Haus mag zerfallen – was hat's dann für Not? |: Der Geist lebt in uns allen, und unsre Burg ist Gott! :|