German poem
Sinnbilder
by August Wilhelm Schlegel (1767–1845)
Ein frühes Veilchen, tief versteckt in Moosen, Erblickt' ich; doch als Sommerlüfte giengen, Wuchs es zum Strauch, den Dornen starr umfiengen; Dann wurden alle diese Dornen Rosen.
Aus ihnen hört' ich Liederstimmen kosen, Und sah empor sich Nachtigallen schwingen; Und ich erkannt' in diesen Wunderdingen Der Liebe liebliche Metamorphosen.
Hab' ich in stiller Schüchternheit vergöttert, Litt ich der Zweifel stechendes Gewühle, Eh sich Erwiedrung wollt' entgegen neigen:
So sei mir nie der Rosen Füll' entblättert, Es bleib' ihr Kelch die Wohnung der Gefühle, Die singend zwischen Erd' und Himmel steigen.