Versos German Bjørnstjerne Bjørnson Hochzeitslied

German poem

Hochzeitslied

by (1832–1910)

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(Zu Ditmar Meidells Hochzeit, den 21. Juli 1868)

Blick' auf, o Braut, er naht An Freundeshand zum Buchtgestad', Ein wenig kahl und träg', Doch frisch und herzensreg'. Hier kommt er treu und grad'-- Der alte braune Kreuzeraar, Erprobt in Sturmgefahr, Mit Augen kindlich klar.

Er war ein Bursch so keck, Lag gern auf seines Boots Verdeck Und ließ vom Wogenschaum Sich wiegen in den Traum. Der Segel breite Last Schlug sonnbeschienen an den Mast, Und ohne Ruder glitt Der Kiel im Strome mit.

Doch als er müßig da Sein Bild im tiefen Blau besah, Getrieben ward sein Kahn Zum offnen Ozean.

Hei, wie er munter sprang Zum Steuer unter Flutgesang; Die erste harte Not War ihm wie Morgenrot.

Er kehrte nicht nach Haus,-- Fuhr in der Freiheit Reich hinaus, Wo alles ringsumher Unendlich wie das Meer. Hinaus ins Flutgetos,-- Und ward das Boot auch steuerlos, Hat kühne Manneskraft Ihm doch den Sieg verschafft!

Da draußen stand er frisch; Ihm wuchs der Mut im Sturmgezisch. Sein Deck zerbarst; doch ihn Konnt' es nicht niederziehn. Nach oben kam er leicht, Wie übers Meer ein Vogel streicht, Dieweil manch stolzes Schiff Zertrümmert ward am Riff.

Sein Kahn schwamm flott dahin, Weil ihn gebaut ein freudiger Sinn,-- Der Sturm blieb ohne Macht: Denn Jugend war die Fracht. Und ein unbändiger Klang Von Schüssen, Feuerwerk und Sang War immerzu an Bord Mit Echo über Nord.

Ein wenig müd' zuletzt, Dacht' er der Kindheit sehnend jetzt, Lag wieder friedlich-mild Und sah sein Spiegelbild. Er sah, der Schelm, er sah-- Sein eignes nicht, nein ihres da, Als seiner Sehnsucht Fund Lächelnd im Wellengrund.

Zum zweiten Mal zieht aus Sein Leben in den Wogenbraus, Und Sturm soll seinem Kahn Zum zweiten Male nahn! Zum zweiten, zweiten Mal hinfort Soll tönen Schuß und Sang an Bord; Denn diesmal mit ihm fährt Der Glaub' an Weibes Wert!