German poem
Ich Reiste Vorüber
by Bjørnstjerne Bjørnson (1832–1910)
--Ich reiste vorüber im Morgenrot: Lautlos ein Hof noch im Lichte ruht, Und wie die Scheiben brennen in Blut, Loht auf in der Seele erloschene Glut:-- In Frühjahrsstunden Dort war ich gebunden Von lächelnden Lippen und feinen Händen, Und das Lächeln mußte in Tränen enden.
Lang, bis der Hof meinem Blicke entschwand, Schaut' ich hinüber, unverwandt. Alles Vergangne erglänzte rein, Alles Vergessne ward wieder mein:-- Gedanken wandern Nun auch zu andern Frühlingstagen, und Wonnen und Fehle Wogen vor und zurück in der Seele.
Freudvoll damals und freudvoll nun, Schmerzen damals und Schmerzen nun. Sonne im Tau: wie das funkelt und weint-- Tränen und Lächeln verklärt und vereint. Wenn Erinnerungswellen Flutend erst schwellen Über die Seele und ebben dann wieder, Grünt sie und sprengt die Knospen der Lieder.