German poem
Auf Leben und Tod
by Bruno Wille (1860–1928)
In üppigen Sonnenfluten Badet sich der Park, Der mit glänzendem Blättergewoge Grausteinerne Häuserwälle bespült.
Aus schattiger Straßenmündung strömt, Buntblitzenden Wellen gleich, Blütenfarbig geputztes Volk: Mädchen mit buntbebänderten Hüten, Blühenden Augen, schimmernden Zähnen.
Das Plaudern plätschert Der Ruhebank vorbei Unter lila blühendem Flieder, Wo ich sitze bei spielenden Kindern. Im Strauche flötet die Nachtigall; Fernes Konzert Weht mit Düften süß heran Und zittert in meiner Seele ...
Sanftes Mädchengesicht Unter schüchternem Sommerhut, Blaues Blütenauge, Ich könnte dich lieben! Doch zages Träumen hält mich fest, Und dich entführt die Flut ...
Und wieder wehen mit Fliederduft Accorde schmachtend, schwellend; Und meine Seele zittert Von süßem Sehnsuchtsschauer.
Sieh, das Weib Im dunkeln Kleide, Stolz, Mit rundem Busen Und schwarzer Augenglut!
Mein Herz entbrennt Und pocht in wilder Sehnsucht. Was brennst du so? Ist das die Seele, Die heiß umschlingend Dein zehrend Schmachten stillt? Soll ich ihr folgen, pochendes Herz? – Ich wag' es nicht; Mir wird so schwül und bang.
Denn vielleicht – was weiß ich! – Blüht Gift im dunkeln Auge Und verzehrt mir qualvoll Wangen und Seele. – So ist die Liebe! Auf Leben und Tod!
Oder ist dies Strahlenauge Mir Quelle ewiger Wonne? – So geh zur Quelle, schmachtendes Herz! Sonst verspült die Flut dein Glück! –
Ja, ich gehe! Noch eine Sehnsuchtswelle, Und hingerissen folg' ich, Zu lieben auf Leben und Tod ...
Doch wehe! Mir schwindelt; Ich wanke, zu stürzen In glitzernde Wellen Des Menschenstromes. Halt dich fest, bethörte Seele! Jedwede liebliche Welle Ist Liebe auf Leben und Tod! –
Doch horch, die Nachtigall lockt so heiß, Berauschend wehen Musik und Duft, Und Menschenaugen blühen so schön ... Wohlauf in den Strom der Seelen, Zu lieben auf Leben und Tod!