German poem
Heue
by Bruno Wille (1860–1928)
Durch silberne Halme Eisiger Scheiben Dämmert zu mir Ins Dunkel der Mond. –
Ich bin ein See, Erstarrt zu Eise, Darin sich spiegelt Der traurige Mond;
Dürres Schilf Zittert und flüstert... Ich höre dich weinen Und schluchzen – wie einst. – – –
Einst füllt' ich achtlos Dir Tage mit Leide, Bis daß du weintest Aus schluchzender Brust.
Wohl hab' ich flehend Geküßt die Thränen, Doch war's geschehen, Daß du geweint. –
Jetzt ist dein Auge Längst getrocknet. Doch ewig weinst du In meiner Seele;
Und ich muß weinen All deine Thränen, Geliebtes Antlitz, – Und noch viel mehr.