German poem
Duobus litigantibus tertius gaudet
by Carl Theodor Müller (1796–1873)
Es war einmal ein Grenadier Vom ersten Regimente, Der führt sein Mädigen spatzier', Sieh, da begegnet ihm ein Kür- :,: Rassier, ein Stabstrompeter, Und blies als wie das Wetter. :,:
Als der das Mädigen erblickt, Die einstens sein gewesen, Da schimpft er sie auf grobe Weis', Und sagt Herr Grenadier, so scheis- :,: Lich kann's kein Mädigen geben, Da wett' ich Sie mein Leben. :,:
»Mein Mädigen schimpft er nimmermehr, Sonst sag' ich Sie was anders; Verstehst du mich, denn das wär schön, Wenn sich von Euch müßt gar ein Gren- :,: Nadier beschimpfen lassen. Auf offenbarer Straßen.« :,:
Ich schimpf' nicht Dir, Herr Grenadier! Ich schimpf' nur diesen Besen; In München dras vorm Angerthor Da war sie schon einmal im Por- :,: Tell bei der Madam Meyer, Gar nicht einmal sehr theuer. :,:
Darüber weint die Schönste sehr Und fand sich affrantirli. Der Grenadier schließt sie in Arm, Und ließ dann einen ziemlich war- :,: Men Kuß auf ihre Wangen Mit zärtlichem Verlangen. :,:
Und spricht hierauf zum Kürassier: Mein Freund, itzt halt Er 's Maule! Ich komm heut noch vor's Isarthor Auf d'Wach, dann werd' ich Seinem Kor- :,: Poral die Sach berichten, Der wird den Handel schlichten. :,:
Da springt der Kürassier vom Pferd, »Was, Er will mich verklagen?« Sie raufen da mit größtem Muth – Auf einmal kommt ein junger Stud- :,: Josus angelaufen, Und sieht die beiden raufen. :,:
Und nimmt das Mädigen bei der Hand Und geht mit ihr spatzieren; Durch Wiesenthal und Wald und Flur, Und sprach: Du Süße, Liebe! Hur- :,: Tig komm und sei hübsch frohe Beim Tanz in Hesselohe. :,:
Doch merkt es euch ihr jungen Leut', Und denkt an meine Worte. Wenn zwei sich streiten um die Sach, So kommt ein Dritter, der schon schmach- :,: Tet wochenlang mit Sehnen, Sich wacker zu verbrennen. :,:
Drum hatt' auch der den wahren Preis, So wie das Sprichwort meldet; Aus lauter Herzens-Sympathie Trug er davon den größten Tri- :,: Per, andern zum Exempel, Drum laßt den Venustempel. :,: