German poem
Meinem Freunde Dr. N
by Carl Theodor Müller (1796–1873)
Ein Doktor N** ich genannt, pim. pa pum. Und männiglich als Vieh bekannt, pimp. etc. Hab was gelernet, Gott sei Dank! pimp. Juchh. Ich mache auch Gesunde krank. Pimp. etc. [Rep.] Es war ein Weib im Hospital, Die kochte gar so wenig Gall; Als sie mich zweimal sehen muß, Da hatt' sie Gall im Ueberfluß.
Ein Mädchen, hübsch und angenehm, Litt einst an einem Exanthem; Kaum sah sie mich, im Augenblick Trat auch das Exanthem zurück.
Ein Kind, so schön, man dürft' es mal'n, War gar so stark auf's Hirn g'falln; Ich stellt' es in drei Tagen her, Ich leid ja selbst an dem Malheur.
In München praktizirte ich Im Krankenhaus ganz fürchterlich; Zehn starb'n in einem Monate Ex animi pathemate 32 ,
In Kitzingen dort unt' am Main Hätt' Einer im Gehirn ein Stein; Ich schnitt ihn raus, zum Lohn dafür Trag' ich ihn seitdem selbst bei mir.
In Württemberg, im Städtchen Lahr, Da operirt' ich Ein' den Staar; Er sah sich g'nug – ja! nicht nur er, Auch selbst die Leute um uns her.
Jüngst macht' ich bei des Richters Sohn Die Lappen-Amputation 33 ; Was ich mir da vor Ruhm erwarb!! Der Lappe blieb, der Kranke starb.
Im Krankenhaus seit langer Frist Kein einziger Nervöser ist; Seitdem ich draußen praktizir', Spiel'n s' alle in's Nervöse schier.
Jüngst macht' bei meines Vetters Weib Die Wendung 34 ich zum Zeitvertreib; Die Sache hat sich gut gewandt, Sie ist in unsers Herrgotts Hand.
Die Kranken zu examinir'n, Da muß ich mich zum Lob citir'n; Denn Mancher, Gott sei Lob und Dank! Ward erst durch mein Examen krank.
Ich hab' mir einen Hut geschafft 35 , Der hat 'ne besondre Kraft; Sieht ihn der Kranke auf mein' Kopf, So kotzt er schon der arme Tropf.
Drum ich G'walts-Ingenium Mach ich 's Probrelatorium, Komm' mit gekröntem Haupt zurück: Je größer 's Vieh, je größer 's Glück!