Versos German Christian Felix Weiße Die Abbitte

German poem

Die Abbitte

by (1726–1804)

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Selinde sah vor wenig Tagen Den jungen Damon freundlich an: Wie konnt ich einen Blick vertragen, Der viel, sehr viel bedeuten kann! Ich wollte sie alsbald verlassen, Und schwur: ich wollte nimmermehr Sie wieder sehn, ja, sie gar hassen, – – Wenn es mir möglich wär.

Sie rieb die schönen Augenlieder, Und hub sie schmachtend in die Höh: Dann fiel ein falsches Thränchen nieder Wie Morgenthau auf jungen Klee. Drauf rang sie ihre weißen Hände, Und seufzt ein halb gebrochnes Ach! Ich – – sah erschrocken an die Wände, Und – – seufzte heimlich nach.

Sie wollte mir darauf entrinnen: Und ach! was hatt ich ihr gethan? Durch Seufzen war nichts zu gewinnen; Drum fing ich laut zu weinen an. Ich warf mich nieder: auf den Knieen Stellt ich ihr meine Reue dar: Daß ich – – daß ich ihr schon verziehen, Daß ich – – zu ehrlich war.