German poem
Die Annäherung des Frühlings
by Christian Felix Weiße (1726–1804)
Schon ist er bald entflohen, Der Winter, meine Lust! Die sanften Weste drohen Mir schrecklichen Verlust! Umsonst blüht mir Betrübten Die neugebohrne Welt: Der Krieg ruft den Geliebten Von mir ins rauhe Feld.
In jeder Blum entschließet Sich mir ein neuer Schmerz, Der Zephyr, der sie küsset, Haucht Wehmuth in mein Herz: Der Landschaft bunte Scenen, Die blumenreiche Au, Sehn meiner bangen Thränen Mehr als den Morgenthau.
Umsonst singt jede Kehle Den Frühling froh bemüht: Mir singt selbst Philomele Ein banges Klagelied. Des Leidens Melodien Hör ich im freyen Bach: Es reißt der Nord im Fliehen Mein ganzes Glücke nach.
O steig noch nicht hernieder Du Lenz, der Erde Lust! Mir bringst du Blumen wieder, Doch Gram in meine Brust. Dich wünscht die Welt: die Freuden Der Liebe bringst du ihr: Sollt ich sie nicht beneiden? Die meinen raubst du mir!