German poem
Als Flavia einsmahls an einem groben sack arbeitete
by Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616–1679)
Was macht doch Flavia mit ihrer weissen hand? Bald hebet sie sie auff/ bald sencket sie sie nieder. Mich deucht/ ein grobes tuch/ ein nichtiges gewand Bemüht den schönen arm/ und plagt die zarten glieder. Ach schönste Flavia/ so muß denn deinen muth Ein ungestalter zwirn und schlechte leinwand binden? Doch weil dein werther leib im sacke busse thut/ So sage mir doch auch den Zufall deiner fünden. Ich irre. Flavia will lebens-göttin seyn; Der faden/ den sie zeucht/ trägt tausend männer leben/ Doch führt sie ihn mit fleiß nicht allzu zart und klein/ Es möchte sonst allhier zu viel der leichen geben.