Versos German Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau Seine geliebte wolte ins kloster gehen

German poem

Seine geliebte wolte ins kloster gehen

by (1616–1679)

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Lisippe will der erden sich entreissen/ Ihr edler geist geht zu der ruh/ Er eilt der reinen sonne zu/ Und will/ was himmlisch ist/ zu küssen sich befleissen/ Sie stöst die erde hin/ und suchet allzu viel/ Weil sie bey fleisch und blut als engel leben will.

Schau doch zuvor ein wenig noch zurücke/ Entlauff dir doch nicht vor der zeit; Der schönen augen zärtlichkeit Verträget nicht so bald die heissen sonnen-blicke. Du kanst nicht Enoch seyn/ noch des Elias art/ Und ehe man verstirbt/ wird keine himmelfahrt.

Mit was hat doch die erde dich verletzet/ Du stürmest wider fleisch und blut/ Ich weiß nicht/ was Lisippe thut/ Die aller regung sich verwegen widersetzet. Wer mit sich selber kriegt/ und sich zu schlagen tracht/ Vor diesen hat der sieg die krone nicht erdacht.

Du bist zu schwer/ der erde zu entfliehen/ Du kanst noch kein gestirne seyn. Komm/ sammle freudens-blumen ein/ Die dir als dienerin itzt selbst entgegen ziehen. Wer ungezwungen ihm das marterthum begehrt/ Ist der erbarmung zwar/ doch keines ruhmes werth.

Lisippe laß die prächtigen gedancken/ Kein mensch verengelt sich doch nicht; Vernimm was deine jugend spricht/ Und schreit itzt nicht so bald aus deinen freuden-schrancken/ Da tausend lieblichkeit auff süsse spiele denckt/ Und lust-rubinen dir zu deinem schmucke schenckt.

Geneuß doch noch der welt ambrirte früchte/ Der himmel bleibt dir unversagt. Wer allzu kühn zur sonne jagt/ Dem macht ein scharffer strahl den heissen flug zunichte. Mensch und auch engel hat uns zeitlich kund gethan/ Daß man im paradieß und himmel fallen kan.