Versos German Christian Morgenstern Ii

German poem

Ii

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Unablässig Sinken weißer Wogenwucht, laß mich, deine Bucht, dein Geheimnis trinken.

Engel wölken leise aus der Wasser Schoß, lösen groß sich los nach Dämonenweise.

Strahlen bis zum bleichen Mond der Häupter Firn ... Und auf Schläfer-Stirn malen sie das Zeichen ...

Taufen gern Erhörten mit der Weisheit Tau. Und von ferner Schau dämmert dem Enttörten.

Wer vom Ziel nicht weiß

Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben, wird im selben Kreis all sein Leben traben; kommt am Ende hin, wo er hergerückt, hat der Menge Sinn nur noch mehr zerstückt.

Wer vom Ziel nichts kennt, kann's doch heut erfahren; wenn es ihn nur brennt nach dem Göttlich-Wahren; wenn in Eitelkeit er nicht ganz versunken und vom Wein der Zeit nicht bis oben trunken.

Denn zu fragen ist nach den stillen Dingen, und zu wagen ist, will man Licht erringen: wer nicht suchen kann, wie nur je ein Freier, bleibt im Trugesbann siebenfacher Schleier.

Wie macht' ich mich von DEINEM Zauber los

Wie macht' ich mich von DEINEM Zauber los und tauchte wieder nieder in die Tiefe und stiege wieder in des Dunkels Schoß, wenn nicht auch dort DEIN selbes Wesen riefe, an dessen Geisterlicht ich hier mein Sein, als wie der Schmetterling am Licht, erlabe, doch ohne daß mir die vollkommne Gabe zum Untergang wird und zur Todespein.

Wie könnte ich von solcher Stätte scheiden, wo jeder letzte Glückestraum erfüllt, verharrte nicht ein ungeheures Leiden, sogar von diesem Himmel nur--verhüllt. Und da mir dessen Stachel ist geblieben, wie könnt' ich nun, als brennend von DIR gehn, um DICH in jener Welt noch mehr zu lieben, in der sie DICH, als Sonne, noch nicht sehn.

Von Liebe so von DIR hinabgezwungen vom Himmel auf die Erde, weiß ich doch: nur immer wieder von DIR selbst durchdrungen, ertrag' ich freudig solcher Sendung Joch. DU mußtest DICH als Quell mir offenbaren, der unaufhörlich rnir Erneuung bringt. Nun kann ich auch gleich DIR zur Hölle fahren, da mich DEIN Himmel ewiglich verjüngt.

Wir fanden einen Pfad

So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergisst,-- sie aber strahlt und leuchtet unaufhörlich,-- so mag man Dein an trübem Tag vergessen, um wiederum und immer wiederum erschüttert, ja geblendet zu empfinden, wie unerschöpflich fort und fort und fort Dein Sonnengeist uns dunklen Wandrern strahlt.

Überwinde!

Überwinde! Jede Stunde, die du siegreich überwindest, sei getrost, daß du im Pfunde deines neuen Lebens findest.

Jede Schmach und jede Schande, jeder Schmerz und jedes Leiden wird bei richtigem Verstande deinen Aufstieg mehr entscheiden.

Ohne Erbschuld wirst du funkeln, abermals vor Enkeln rege, ungezähltem Volk im Dunkeln weist ein Sieger Sonnenwege.

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Wir fanden einen Pfad, von Christian Morgenstern.