Versos German Christian Morgenstern Ii

German poem

Ii

by

Listen in the reader

Verlange nichts von irgendwem, laß jedermann sein Wesen, du bist von irgendwelcher Fehm zum Richter nicht erlesen.

Tu still dein Werk und gib der Welt allein von deinem Frieden, und hab dein Sach auf nichts gestellt und niemanden hienieden.

Stör' nicht den Schlaf der liebsten Frau

Stör' nicht den Schlaf der liebsten Frau, mein Licht! Stör' ihren zarten, zarten Schlummer nicht.

Wie ist sie ferne jetzt. Und doch so nah. Ein Flüstern--und sie wäre wieder da.

Sei still, mein Herz, sei stiller noch, mein Mund, mit Engeln redet wohl ihr Geist zur Stund.

Von zwei Rosen ...

Von zwei Rosen duftet eine anders, als die andre Rose.

Von zwei Engeln mag so einer anders, als der andre schön sein.

So in unzähl- baren zarten Andersheiten mag der Himmel,

mag des Vaters Göttersöhne- reich seraphisch abgestuft sein ...

Was klagst du an

Was klagst du an die böse Welt um das und dies? bist du ein Mann, der niemals Spelt ins Feuer blies?

Hat Haß und Harm und Wahn und Sucht dich nie verführt, daß blind dein Arm der Flammen Flucht noch mehr geschürt?

Was dünkst du dich des unteilhaft, was Weltbrand nährt! Zuerst zerbrich die Leidenschaft, die dich noch schwärt.

In dich hinein nimm allen Zwist, der Welt sorg nit; je wie du rein von Schlacke bist, wird sie es mit.

Wasserfall bei Nacht