Versos German Christine Thaler Herbst-Lied

German poem

Herbst-Lied

by (1852–1936)

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Im zerborst’nen Fensterbogen Lehn’ ich müd’ – der Uhu schreit – – Herbstesabend, grau umzogen, Liegt auf Wald und Wiesen weit.

Nach der warmen Schneeeshülle Sehnt die Erde fröstelnd sich, Sehnt sich, in der tiefsten Stille Auszuruhen winterlich.

Sterbenssehnsucht hat durchzogen Nun auch dich, mein Herz, mit Macht – All dein Glück, es ist verflogen Mit des kurzen Sommers Pracht.

Nun du sel’gen Kosestunden Heiß nicht mehr entgegenschlägst, Fühlst du nur die Feuerwunden, Die du tief im Innern trägst.

Und auf der Erinn’rung Stätten Seufzest du der Sehnsucht „Ach!“, Und in dürren Blätterbetten Rauscht es dir der Herbstwind nach – –

Da – fernab, wie ich noch träume, Glüht das Abendroth empor; Goldbestrahlte Wolkensäume Gaukeln mir den Frühling vor.

Frühling wird einst auferstehen Und mit ihm mein todtes Glück – Herbstwind mußt’ es mir verwehen; Lenzeshauch bringt’s mir zurück.

Neue Lieb’ ist dann erstanden; Neuer Frühling uns beglückt – Wieder liegt das Herz in Banden, Wonnebebend, lieb’ umstrickt .....

Im zerborst’nen Fensterbogen Lehn’ ich müd’ – der Uhu schreit – – Frühlingsgleich, von Glanz umzogen, Naht dein Bild mir – süße Maid!