German poem
Resignation
by Christine Thaler (1852–1936)
„Sehsuchtsschwer, voll süßer Ahnung Liegt das Herz mir in der Brust; Möchte schwelgen, möchte schlürfen Durstig an dem Kelch der Lust.
Einen Kelch voll Feuerlabe Füllt, o füllt, ihr Mächt’gen, mir! Was an Wonnen lebt hienieden, Schenkt es jählings mir – und ihr!
Zage Küsse, blasse Freuden, O ihr Götter, gebt uns nicht! Gebt auf einmal alle Leiden, Allen Schatten, alles Licht!
In der Liebe Tempel trinken Laßt uns süße Götterlust, Laßt wie Blitze sie durchzucken Die entzückte, junge Brust!
Ist die Wonne dann verrauschet, Komme, was da kommen soll! Donnernd stürze ein der Tempel, Noch in Aschen feuervoll!“ – –
Da – wie ich noch brünstig flehe, Flammt um mich ein magisch Licht, Und vom Himmel eine Stimme Also mahnend zu mir spricht:
„Mäß’ge, ruheloses Herze, Deinen ungestümen Schlag! Denn dein Loos ist Lust und Schmerzen, Wie da wechselt Nacht und Tag.
Schwachen, staubgebund’nen Sinnen Ziemt nicht volles Sonnenlicht; Nur uns Göttern kann es taugen – Sterbliche ertragen’s nicht.
Dann nur ward dir höchster Adel, Wenn dich läutert herber Schmerz, Wenn dich bessert weiser Tadel – Edles Maß beglückt das Herz.“