German poem
Herbst
by Clara Müller-Jahnke (1860–1905)
Ueber den brennenden Meeressand sind wir beide geschritten, als mir dein trotziger Mund gestand, was du erlebt und erlitten.
Weithin lachender Sonnenschein, duftverschleierte Fluren . . . sahen denn unsere Augen allein rings des Verderbens Spuren?
Welk am Stengel, duftlos und matt, hing die Rose, die süße; ein vertrocknetes Lindenblatt warf uns der Wind vor die Füße.
Glanzumflossen und ohne Schmerz nahte des Sommers Scheiden – du nur, zuckendes Menschenherz, du mußt leiden, mußt leiden! –
Seine Blüte hat jeder Strauch, Früchte der Baum getragen – du nur, ringender Menschengeist, mußt entsagen – entsagen!
Ueber den brennenden Meeressand sind wir beide geschritten, als mir dein trotziger Mund gestand, wie du geliebt und gelitten.