German poem
Gloriola
by Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898)
Wir malten eine Sonnenuhr zum Spaß, Als ich in Fuldas Klosterschule saß. Ringsum ein Spruch gedankentief und fein Und schlagend mußte nun ersonnen sein.
Herr Abbas sprach: "Zwei Worte sind gegönnt, Ihr Schüler, sucht und eifert, ob ihr's könnt!"
Hell träumend ging ich um, mich mied der Schlaf, Bis mich wie Blitzesstrahl das Rechte traf:
"Ultima latet." Stund um Stunde zeigt Die Uhr, die doch die letzte dir verschweigt.
Herr Abbas sprach: "Das hast du klug gemacht. Es ist antik und christlich ist's gedacht."
Manch Kränzlein hab' ich später noch erjagt, Wie dieses erste hat mir keins behagt;
Denn Süßres gibt es auf der Erde nicht Als ersten Ruhmes zartes Morgenlicht.