German poem
Marie Antoinette
by Else Galen-Gube (1869–1922)
Man hat dich geschmäht wie man Schönheit schmäht, dein fröhliches Lachen war Frivolität; dein emsiges Wohltun nur Prahlerei, der „Östreicherin,“ – Frankreichs böser Fei.
Für dreiste Herausforderung galt dein Scherz, berechnet zu fangen der Männer Herz. Blutschänderisches Buhlen sagt man dir nach mit dem eignen Sohne, in sündiger Schmach! – –
Recht wars, daß an Mütter du appelliert und sagtest: „Wer glaubt, daß mein Kind ich verführt, der ruf es mir frank und frei ins Gesicht vor versammeltem Volke und Hochgericht.“
Wie Todesschweigen lags über dem Saal – – Da Stimmengemurmel mit einem Mal, und eine Megäre vernehmlich spricht: „Ich haß Euch, Frau Königin, doch das glaub ich nicht!“