Versos German Emanuel Geibel Die Sonn' hebt an, vom Wolkenzelt

German poem

Die Sonn' hebt an, vom Wolkenzelt

by (1815–1884)

Listen in the reader

Die Sonn' hebt an, vom Wolkenzelt Verstohlnen Glanz zu schießen; Da gibt es rings in Wald und Feld Ein Rauschen, Rieseln, Fließen.

Das Eis zergeht, der Schnee zerrinnt, Dann grünt es über ein Weilchen, Und leise singt der laue Wind: Wacht auf, wacht auf, ihr Veilchen!

O lindes Säuseln tief im Tal! O erster Duft des Märzen! Nun blüht und klingt die Welt zumal, Nun klingt's auch mir im Herzen.

Und wie die Lüfte wundervoll Sich blau und blauer dehnen - Ich weiß nicht, was das werden soll, Was will dies Ringen und Sehnen?

Mir wird die Brust so weit, so weit, Als ob's drin blüht' und triebe - Kommst du noch einmal, Jugendzeit? Kommst du noch einmal, Liebe?