German poem
Wenn von der Zeit der sinkenden Cäsaren
by Emanuel Geibel (1815–1884)
Wenn von der Zeit der sinkenden Cäsaren Ich las, bevor die Stadt der Feinde Beute, Im Geist erwägend, was die Welt erfreute, Und was die Welt verstört in jenen Jahren:
So hat's mich oft wie jäher Schreck durchfahren; Mir war's, als ob ein Spiegelbild des Heute Aus der Geschichte mir entgegendräute Und spräch': Ihr seid, was jene Römer waren.
So lag bei hohlem Wort die Zucht im Staube, So ward der Seelen gottverlaßnes Bangen Heut frecher Taumel, morgen Aberglaube.
So hielt der Schein jedwedes Sein gefangen, Indes vom Nord her, schon bereit zum Raube, Barbarenstämme dumpfen Schlachtruf sangen.
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