German poem
Sonett
by Ernst Koch (1808–1858)
Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe? Wohl, Dir allein gehören diese Zeilen. Vertrau' ich gern doch dem Sonett zuweilen Die heimlichen und die enthüllten Triebe.
Doch mein' ich, daß es unvollkommen bliebe, Je mehr ich auch an dem Sonette feile.— Daß ich Dir lieber in die Arme eile Mit einem Kusse meiner Bruderliebe.
Wohl geht's mir öfters so mit solchen Dingen, Die ich im Liede nimmer sagen mag, Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag
Wie angeboren meine Brust durchdringen. Sie klingen ewig mir im Herzen nach, Und doch kann ich sie nicht im Liede singen.