German poem
Trost in Thränen
by Ernst Koch (1808–1858)
Grablied auf Professor Koch.
Nach der Harfe greif' ich wieder— Und sie tönet Grabgesang, Bittern Schmerzes Klagelieder Zittern durch der Saiten Klang.
Ernst, in Wehmuth hingegossen, Schwieg der Jünger Trauerschaar, Weib und Kind, in Schmerz zerflossen, Standen an der Leichenbahr'.
Ach! der Sänger, der gerungen Treu für Gott und Vaterland— Seine Saiten sind verklungen, Die er schlug mit Meisterhand!
Der uns sang der Minne Sehnen Und des Helden Sturmesdrang, Und des Dulders stille Thränen Und des Glaubens Siegessang!—
Mußt so früh den Tod Du finden, Lebensmuthig, liederreich? Wollten Dir die Schläf' umwinden Mit des Ruhmes Lorberzweig.—
Nicht bei Menschen, nicht hienieden War Dein Hoffen, schön'res Loos Ist der Treue dort beschieden. Wo Du ruh'st in Gottes Schooß.
Wo die Stirne wird umkränzen Der Verklärung Siegeskranz, Und ein Engel Du wirst glänzen In der Sel'gen Sonnenglanz'.
Luxemburg, 1. November 1859.
Ludwig Housse, Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur.
Meinen Eltern,
am Neujahrsmorgen 1825.
Wie einst Memnon's Säule sanft ertönte Bei Aurorens erstem Strahlenkusse: So tönt mir auch dieses Jahres erster Morgenstrahl Gefühle in die Brust, Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen, Wenn es sich an das der Eltern dränget. Auf die Feder scheint die Morgensonne Mir und ladet mich zum frohen Gruße. Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten, Die Minute, wo in Euren Armen Inniger mein Herz dem Eurigen Und der Zukunft ungewissen Tagen Freudig wünschend dann entgegenschläget!
Nicht entweihen will ich durch die Feder, Was die dankerfüllte Brust durchglühet, Sagen nicht, wie Eure Elternliebe Mich von meinem ersten bis zu diesem Morgen mit des Dankes Hochgefühlen Ewig an die treuen Herzen bindet; Sagen nicht, was ich aufzählen weder, Noch Euch je vergelten kann,—ach wenn ich Mir dies denke, alle die Wohlthaten, Mir zurück in meine Seele rufe: Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele), Einer Thräne gleich, mein frommer Dank In dem Meer der elterlichen Liebe, Und das Ziel von allem meinem Streben Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.
Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied Auf den kleinen Knaben nieder—und der Kinderjahre gold'nen Traum;—er wußte Noch nicht, wem er seine Freuden dankte: Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten, Der Natur, der heit're Frühlingshimmel Andere, erhabene Gefühle In die Jünglingsbrust;—es weiß der Jüngling Nun für wen des Dankes Zähre fließt!
Der die Welten schuf und die Natur Und den heitern Frühlingshimmel, der das Leben seinen Menschen gibt und nimmt, Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen Ueber unserer Erde aufgeh'n ließ: Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen, Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen,—Beten!