German poem
Bei den Externsteinen
by Ernst Meyer-Detmold (1832–1897)
He, Schwager! Halt! Was tanzt denn dorten Vor jenen grauen Felsenpforten, In dieser Vollmondsmitternacht? „O Herr, steigt aus! Das ist der Teufel.“ Der Teufel? Narr! „Es in kein Zweifel; Er feiert die Walpurgisnacht. Und die dort tanzen, das sind Hexen; Ihr seht es an den Feuerklecksen Dort durch der Pforte dunklen Schacht.“ Ja Ihr habt Recht. Man kann erkennen, Wie sie sich mit den Hörnern rennen; Sogar die Besen seh ich schier. Da hält es mich nicht länger hier! Das muß ich aus der Nähe sehen; Ihr bleibt indeß so lang hier stehen. „Um Alles nicht! Laßt Euch erzählen, Wie vielen armen Menschenseelen Der Teufel hier den Hals verdreht.“ Nun gut, mein Freund; wenn Ihr versteht, Mit lust’ger Mähr mich zu ergötzen, Will ich Euch gut den Gaumen letzen. „Viel Dank! Um Eins. Dann flieht die Bande Zurück zu ihrem Höllenlande. – So höret denn: Ihr seht, wie mächtig, Wie wunderbar und zauberprächtig Dies Felsenthor zum Himmel ragt. Ihr wißt auch, wie vor grauen Zeiten Der Herr aus seinen Herrlichkeiten Den bösen Engel hat verjagt. Nichts ließ er diesem Ungeheuer, Als nur die Steine und das Feuer; Mit diesen sucht er nun auf Erden Der Menschen wieder Herr zu werden. –
So trieb er aus der Erde Grund Durch seinen heißen Feuermund Und mit der Hülfe seiner Zwerge Die Felsen hier vor diese Berge. Er wußte, daß seit Adam’s Falle, Wir armen Menschenkinder alle Uns an dem Neuen gern erfreuen: Weiß nur der Teufel zu zerstreuen, So hat er uns schon in der Kralle!
So kamen denn von nah und fern Mit Weib und Kind viel edle Herr’n Zu diesem Bau herangewallt. Der Böse, bald als lust’ger Wirth, Auch wohl als alter, frommer Hirt, Bald gar in schöner Weibsgestalt, Umstrickt und fesselt Alle bald. Es tönt die Flur, es klingt der Wald Von Saus und Braus, von tollen Festen; Und von den Frommsten und den Besten War bald nichts mehr als dies zu sagen: Es hat der Teufel sie beim Kragen!
Jedoch dem Frevel folgt die Rache. Ein Mönch, den die gerechte Sache Zu diesen Satansfesten trieb, Schlug jahrelang mit wucht’gem Hieb Ein Bild in diese Felsen ein – Ihr seht es dort im Mondenschein. Das war vor fast achthundert Jahren. Nicht Müh’ und Arbeit that er sparen, Auch zwei Kapellchen einzuhauen. Dort rechts könnt Ihr das eine schauen; Das andere dort auf der Spitze Erkor er sich zu seinem Sitze. Kaum hatte Satan darauf Acht; Er hat des Mönches nur gelacht, Und keck gemeint, den Stein zu zwingen, Wird einem Mönche nie gelingen. – Doch plötzlich hob ein Kreuz sich sacht! Und wie von einem hellen Schilde, Erstrahlte aus dem hehren Bilde, Das Antlitz dessen, der sein Leben Zur Lösung unsrer Schuld gegeben. –
Ihr könnt Euch das Entsetzen denken, Das in die Höllenbande fuhr! Der Teufel stürzte wie ein Ur Sich auf den Stein, um ihn zu senken; Er stemmte d’ran sich von der Seite, Mit Höllenbrodem in der Breite, Mit Schwefelqualm ihn überdampfend, Und wild mit seinem Hufe stampfend. Doch Alles nichts! Der Mönch dort oben Beschützt ihn durch des Kreuzes Macht. – „Der Meister soll den Teufel loben!“ Schreit Satanas; und aus der Erde Reißt er mit gräulicher Geberde Ein Felsenstück – schon fliegt’s nach oben – Die Erde bebt, der Felsen kracht – Doch lächelnd sieht, vom Kreuz geschützt, Der Mönch wie dort der Teufel schwitzt. – Das Felsstück flog von ihm zur Seiten Hinüber zu dem andern Stein; Dort hängt es nun seit jenen Zeiten, In Luft fast, wie es hat den Schein. Doch Niemand kann’s hinunter bringen, Obgleich’s kaum an dem Steine klebt; Das macht, der Teufel hält’s in Schlingen, Und freut sich, wenn der Mensch hier bebt.
Allnächtlich aber, wenn die Glocke Zwölf eben schlug im Thurm zu Horn, Kommt er auf einem Ziegenbocke Geritten über Stein und Dorn. Zum Rachewerk, das Bild zu stürzen, Kommt er heran mit seiner Schaar; So hämmern sie in Höllenschürzen An ihm herum schon manches Jahr. – Ihr seht, halb ist es schon zerschlagen: Dem fehlt ein Arm, dem fehlt ein Bein – Ach, unsre heut’gen Mönche jagen Den Satan nicht mehr fort vom Stein! Wo’s ihnen fehlt, ich kann’s nicht sagen, Die Welt scheint ganz verdreht zu sein –“ Halt Freund! Da hat es Eins geschlagen; He, Wirth, ein Gläschen kühlen Wein! – Doch was ist das? Ich hör’ ja singen, Selbst eine Fiedel hör’ ich gar! Die Paare, die im Tanz sich schwingen –? Die Mädchen dort mit braunem Haar –? „Hier, Herr, ist Wein.“ Reicht ihn dem Schwager! Die Hexen halten ihn hier fest. „Herr, seine Pferde sind so mager – Und dort ist horn’sches Schützenfest.“ Gießt ihm noch eins auf seinen Schädel! So gut. – Jetzt fort im Mondenschein! Ade, ihr braven horn’schen Mädel, Auf Wiedersehn am Externstein!
Ernst Meyer-Detmold.