German poem
Im Heidenthal
by Ernst Meyer-Detmold (1832–1897)
Sacht gleitet von den Bäumen Der müde Sonnenstrahl, Zu stillen, süßen Träumen Nickt ein das Waldesthal.
Es ruht in seinem Schatten Ein duftgebornes Kind, Auf sammetweichen Matten Träumt es im Abendwind.
Mit grünen Baldachinen Von Nixen überwebt, Von klugen Haidebienen Umsungen und umlebt;
Von zarten Elfenhänden Umschleiert ganz mit Gold, Ruht’s an den Bergeswänden So traut, so wunderhold.
Mit hellen Lerchenstimmen Grüßt fern die blaue Höh, In Purpurwölkchen schwimmen Sie wie in rothem Klee.
Hoch mit den Firnen tauschen Die Wölkchen noch ein Wort, Der Wald mit leisem Rauschen Trägt es zu Thale fort.
Und all’ die Blumen nicken Es fort von Rain zu Rain, Mit Thauesperlen sticken Sie’s rings im Thale ein.
Das Kind, von Duft umflossen, Steht wie ein Priester da – O, wem das Herz erschlossen, Wohl nie ein schön’res sah!
Es senkt das Haupt, das holde, Hinschmelzend beugt’s die Knie’ – Das ist im Abendgolde Die Waldespoesie.
Ernst Meyer-Detmold.