Versos German Ernst Wilhelm Lotz Der Prophet

German poem

Der Prophet

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Du schwankest gramvoll durch die Stadt, von Leuten In Zobel und dem grauen Volk verhöhnt, Und achtest scheu, wie sie Verlästrung deuten Nach deinem Haupt, von Jahren grau gekrönt.

Plakate tragen sie, Karikaturen Auf dich, der mühsam tastet, Schritt für Schritt, Sie folgen kichernd deinen Spuren Und lockend tuschelnd deine Freunde mit. --

Hell ein Barbier aus seinem Laden tänzelt, Er schlägt das Seifenbecken mit der Hand. Ein Schneidermeister kommt herangeschwänzelt Und mißt zum Spott dich mit dem Meterband.

Ich messe, ruft er höhnisch, Ihre Größe: Ein Kilometer reichte kaum! -- -- Aufbäumt sich wiehernd ein Getöse Und füllt mit Echo hoch den Straßenraum.

Ein großer Kaufmann schwenkt mit dem Zylinder, Verbeugt sich tief und höhnt dich: Herrlichkeit! -- Das war ein Spaß für Narren und für Kinder. Sie klatschen wild. Du gehst. Sie folgen breit.

Schwarz ist die Straße ganz von ihrem Drängen, Wie Aufruhr laut und toll wie Karneval. Die Tollheit brach aus träg gewohnten Strängen Und feiert dir ein Narrenbacchanal.

Ihr kommt vorbei an hohen Kirchenstufen. Du steigst hinauf. Dort bleibst du staunend stehn. Tief, völkerstimmig brandet an ihr Rufen, Wie hohes Meer geht ihrer Mützen Wehn.

Dann zischen sie nach Stille in der Runde. Ein Schweigen kocht und summt zu dir heran. Und lüstern starren sie nach deinem Munde: Ein Wort vom großen, Spott-verhaßten Mann!

Fanatisch, wie die Blicke an dir saugen! Sie fiebern schon. Und warten Gierde-steif. Und sind gebannt von deinen Strahlenaugen. Sind fromm. Und sind für deine Größe reif.

Wie liebe Kinder sind sie anzusehen, So folgsam nun, als vorher übertoll. -- Ganz vorne konnte man ein Wort verstehen, Das dir entfiel: Gott! Sie sind wundervoll!