Versos German F. Max Müller _In Kürenbergs Weise._

German poem

_In Kürenbergs Weise._

by (1823–1900)

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[Scherer D. 202, E. 195.]

Eine Strophenform, die von einem österreichischen Ritter Kürenberg erfunden ist und so beliebt war, dass auch die Nibelungendichter sie benutzten. Herausgegeben in Minnesangs Frühling, Nr. 2.

‘Ez hât mir an dem herzen vil dicke wê getân daz mich des geluste des ich niht mohte hân noch niemer mac gewinnen. daz ist schedelîch. jon mein ich golt noch silber: ez ist den liuten gelîch.’

‘Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr. dô ich in gezamete als ich in wolte hân und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant, er huop sich ûf vil hôhe und floug in anderiu lant.

Sît sach ich den valken schône fliegen: er fuorte an sînem fuoze sîdîne riemen, und was im sîn gevidere alrôt guldîn. got sende si zesamene die gerne geliebe wellen sîn.’

‘Ich stuont mir nehtint spâte an einer zinnen: dô hôrt ich einen ritter vil wol singen in Kürenberges wîse al ûz der menigîn. er muoz mir diu lant rûmen, ald ich geniete mich sîn.’

Nu brinc mir her vil balde mîn ros, mîn îsengwant. wan ich muoz einer frouwen rûmen diu lant. diu wil mich des betwingen daz ich ir holt sî. si muoz der mîner minne iemer darbende sîn.

‘Es hat mir in dem Herzen Gar heftig weh gethan, Dass mich nach dem gelüstet, Das ich nicht konnte ha’n Noch jemals kann gewinnen. Zum Schaden mir’s gereicht. Nicht mein’ ich Gold noch Silber, Nein, einem Menschenkind es gleicht.’

‘Ich zog mir einen Falken Länger als ein Jahr. Als er nun zahm geworden, Wie ich ihn wollte ha’n, Und ich ihm sein Gefieder Mit Golde wohl bewand, Hub er sich in die Höhe Und flog in ein anderes Land.

Nachmals sah ich den Falken Stolz im Fluge: Da hatt er seidne Schnüre An seinem Fusse, Auch glanzt’ ihm sein Gefieder Funkelnd von Gold. Gott sende sie zusammen, Die von Herzen sich sind hold.’

‘Jüngst stand ich abends späte Auf einer Zinne: Da hört ich einen Ritter Gar lieblich singen In Kürenbergs Weise Aus der Menge hervor. Er muss das Land mir räumen, Liebt er mich nicht, den ich erkor.’

‘Nun bring mein Ross mir schleunig Und mein Eisengewand, Denn einer Frauen muss ich räumen dieses Land. Sie will mich dazu zwingen, dass ich hold ihr sei: Sie bleibet meiner Minne doch immer ledig und frei.’