German poem
_Himmel Und Hölle._
by F. Max Müller (1823–1900)
[Scherer D. 87, E. 78.]
Aus einer Bamberger Handschrift des elften Jahrhunderts in der Königl. Bibliothek zu München. Von einem Geistlichen verfasst, in vier mal gehobenen Versen ohne Alliteration und Reim, wie sonst nur das angelsächsische Ormulum. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 30.
In dero hello dâ ist dôt âne tôt, karôt unde jâmer, al unfrouwida, mandunge bresto, beches gerouche, der sterkiste svevelstank, verwâzzenlîch genibile, des tôdes scategruoba, alles truobisales waga, der verswelehente loug, die wallenten stredema viurîner dunste, egilîch vinster, diu iemêr êwente brunst, diu vreissamen dôtbant, diu betwungeniste phragina, claga, wuoft âne trôst, wê âne wolun, wîzze âne restî aller wênigheite nôt, diu hertiste râcha, der handegôste ursuoch, daz sêrigẹ elelentduom, aller bittere meist, kâla âne vriste, ungenâdône vlîz, uppigiu riuwa, karelîch gedôzze, weinleiches ahhizôt, alles unlustes zâlsam gesturme, forhtône bîba, zano klaffunga, aller wêskreio meist, diu iemêr werentẹ angest, aller skandigelîch, daz scamilîchestẹ offen aller tougenheite, leides unende und aller wêwigelîch, marter unerrahlîch mit allem unheile, diu wêwiglîche haranskara, verdamnunga swereden âne alle erbarmida, iteniuwiu sêr âne guot gedinge, unverwandellîch ubel, alles guotes âteil, diu grimmigiste heriscaft, diu vîantliche sigenunft, griulîch gesemine, der vûlidạ unsûbrigheit mit allem unscône, diu tiuvallîche anesiht, aller egisigilîch, alles bales unmez, diu leitlîche heima, der helle karkâre, daz rîchiste trisehûs alles unwunnes, der hizze abgrunde, unbigebenlîch flor, der tiuvalo tobeheit, der ursinniglîche zorn und aller ubelwillo, der ist dâ verlâzen in aller âhtunga vlîz und in alla tarahaftî dero hella erbon, âne zîtes ende, iemêr in êwa. Sô ist taz hellerîche einis teilis getân.
In der Hölle Ist Tod ohne Tod, Wehklage und Jammer, Eitel Freudlosigkeit, Der Seligkeit Abbruch, Peches Rauchen, Der stärkste Schwefelgestank, Verfluchtes Nebelgewölk, Des Todes Schattengrube, Aller Trübsal Wiege, Die verschlingende Lohe, Die wallenden Strudel Feuriger Dünste, Entsetzliche Finsterniss, Die ewigwährende Feuersbrunst, Die furchtbaren Todesbande, Die bekümmertste Drangsal, Klage, Jammern ohne Trost, Weh ohne Linderung, Peinigung ohne Rast Aller Kümmerniss Noth, Die härteste Vergeltung, Das schärfste Verhör, Das schmerzliche Elend, Die Summe aller Bitterniss, Qual ohne Ende, Der Ungnade Eifern, Wuchernde Reue, Trauriges Getöse, Klageliedes Ächzen, Aller Unlust Gefahrvoll Getümmel, Das Beben der Furcht, Zähne Klappen, Das durchdringendste Wehgeschrei, Die immerwährende Angst, Schmach und Schande, Die beschämendste Offenbarung Aller Geheimnisse, Leides Unendlichkeit Und jegliches Wehes, Zahllose Marter Mit allem Unheil, Die schmerzliche Peinigung, Der Verdammniss Qualen Ohn all Erbarmen, Unerhörte (ganz neue) Schmerzen Ohne gute Hoffnung, Unwandelbares Übel, Alles Guten Untheilhaftigkeit, Die grimmigste Herrschaft, Der feindliche Sieg Gräuliche Versammlung, Der Fäulniss Unsauberkeit Mit allem Unschönen, Der teuflische Anblick Aller Schrecknisse, Alles Bösen Übermass, Die leidvolle Heimat, Der Hölle Kerker, Das reichste Schatzhaus Aller Unwonne, Der Hitze Abgrund, Unablässiges Verderben, Der Teufel Toben, Der unsinnige Zorn Und jedes Übelwollen, Das ist da losgelassen Auf eifernde Verfolgung Und zu jeder Schädigung Der Hölle Erben, In endloser Zeit Immer in Ewigkeit. So ist das Höllenreich Ungefähr beschaffen.