German poem
_Heinrich Von Mölk._
by F. Max Müller (1823–1900)
[Scherer D. 84, E. 76.]
Didaktischer Dichter aus ritterlichem Stande um 1160. Er trat aus Überdruss am weltlichen Leben in das österreichische Kloster Mölk als Laienbruder und verfasste zwei Gedichte ‘Mahnung an den Tod’ und das ‘Pfaffenleben,’ das unvollendet blieb. Neu herausgegeben von Heinzel (Berlin, 1867).
MAHNUNG AN DEN TOD.
Doch verhenge wir daz etwer muge ân aller slachte sêr geleben sînen jungisten tac, daz doch vil ubel geschehen mac, nû waz ist der rede mêre? als schier sô diu arm sêle den lîchnamen begît, nû sich, armer mensch, wie er lît. het er gephlegen drîer rîche, im wirt der erden ebengelîche mit getäilet als einem durftigen. ouch sehe wir sumlîch ligen mit schœnen phellen bedechet, mit manigem liechte bestechet, mirre unt wîrouch wirt dâ gebrennet ouch; unt wirt des verhenget daz diu bivilde wirt gelenget unt sich sîne vriunde gar gemäinlîchen gesamnent dar, sô ist daz in ir aller phlege, wie man in hêrlîchen bestaten mege. owê, vertäiltiu hêrschaft! swenne diu tîvellîch hellecraft die armen sêle mit gewalte verswilhet, waz hilfet, swâ man bivilhet daz vil arme gebäine, sô der armen sêle mitgemäine aller häiligen widertäilet wirt? wê der nacht diu in danne gebirt! nû lâzze wir des sîn verhenget, daz bivilde werde gelenget zwêne tage oder drî, oder swaz ez länger dar uber sî, daz ist doch ein chläglîch hinevart. nicht des, daz ie geborn wart, wirt sô widerzæme noch der werlt sô ungenæme. Nû ginc dar, wîp wolgetân, unt schowe dînen lieben man unt nim vil vlîzchlîchen war wie sîn antlutze sî gevar, wie sîn scäitel sî gerichtet, wie sîn hâr sî geslichtet. schowe vil ernstlîche ob er gebâr icht vrœlîchen, als er offenlîchen unt tougen gegen dir spilte mit den ougen. nu sich, wâ sint sîniu mûzige wart dâ mit er der frowen hôhvart lobet unt säite? nû sich in wie getâner häite diu zunge lige in sînem munde dâ mit er diu troutliet chunde beeagenlîchen singen! nûnc mac si nicht fur bringen daz wort noch die stimme. nû sich, wâ ist daz chinne mit dem niwen barthâre? nû sich wie recht undâre ligen die arme mit den henden dâ mit er dich in allen enden trout unt umbevie! wâ sint die fûze dâ mit er gie hôfslîchen mit den frowen? dem mûse dû diche nâch schowen wie die hosen stûnden an dem bäine: die brouchent sich nû läider chläine. er ist dir nû vil fremde, dem dû ê die sîden in daz hemde mûse in manigen enden wîten. nû schowe in an allen mitten: dâ ist er geblæt als ein segel. der bœse smach unt der nebel der vert ûz dem uberdonen unt læt in unlange wonen mit samt dir ûf der erde. owê, dirre chläglîche sterbe unt der wirsist aller tôde der mant dich, mensch, dîner brœde.
Doch setzen wir den Fall, dass einer ohne jeder Art Schmerz den jüngsten Tag zu erleben vermöchte, was doch schwerlich eintreten wird, nun was ist darüber zu sagen? So bald die arme Seele den Leib verlässt, nun sieh, armer Mensch, wie er daliegt. Hat er auch drei Reiche beherrscht, ihm wird ebensoviel Erde mitgetheilt, wie einem Dürftigen. Auch sehen wir manch einen liegen mit schönen Teppichen bedeckt, mit manchem Lichte besteckt, Myrrhe und Weihrauch wird da auch verbrannt; und es wird angeordnet, dass das Begräbniss hinausgeschoben wird, und sich seine Freunde alle ins gemein da versammeln, dann sind alle darum bemüht, wie man ihn herrlich bestatten möge. O weh! enterbte Herrschaft! Wenn die teuflische Höllenmacht die arme Seele mit Gewalt verschlingt, was hilft es, wo immer man das elende Gebein begräbt, wenn der armen Seele die Gemeinschaft aller Heiligen aberkannt wird? Weh der Nacht, die ihn dann hinwegrafft! Nun wollen wir annehmen, das Begräbniss werde verschoben zwei oder drei Tage, oder auch noch etwas darüber, es ist doch ein klägliches Abfahren. Nichts, was je geboren ward, wird so abstossend und der Welt so unangenehm. Nun tritt hin, schöne Frau, und schaue an deinen lieben Mann und betrachte sorgfältig, wie sein Antlitz gefärbt ist, wie sein Scheitel gerichtet, wie sein Haar geschlichtet. Sieh recht genau zu, ob er sich auch fröhlich zeigt wie damals, als er öffentlich und ins geheim die Augen nach dir blitzen liess. Nun sieh, wo sind seine müssigen Worte, mit denen er von der Frauen-Pracht lobend erzählte? Nun sieh, wie lahm (wörtlich: in welcher Verfassung) ihm die Zunge im Munde liegt, mit der er Liebeslieder anmuthig singen konnte! Nun vermag sie nicht hervorzubringen Worte noch auch nur einen Laut. Nun sieh, wo ist das Kinn mit dem neuen Barthaare? Nun schau, wie schlaff die Arme und Hände da liegen, mit denen er dich aller Enden koste und umfieng! wo sind die Füsse, mit denen er schritt in höfischer Zucht unter den Frauen? ihm musstest du oftmals nachblicken, wie die Hosen ihm am Beine sassen: die nutzen sich nun leider wenig ab. er ist dir nun gar fremd, dem du ehemals die Seide ins Hemd an mancher Stelle hineinziehen musstest. nun schau ihn in der Mitte an: da ist er aufgebläht wie ein Segel. schlimmer Geruch und Dunst steigt aus dem Bahrtuch und lässt ihn nicht lange (mehr) mit dir auf Erden wohnen. Weh über dies klägliche Sterben! Ja der schlimmste Tod der gemahnt dich, Mensch, deiner Schwäche.