German poem
_Heinrich Frauenlob._
by F. Max Müller (1823–1900)
[Scherer D. 217, E. 210.]
Meister Heinrich von Meissen, Frauenlob genannt, ein fahrender Sänger; geboren zu Meissen 1250, gestorben 1318 zu Mainz. Gedichte herausgegeben von Ettmüller (Quedlinburg 1843). Frauenlob soll zu Mainz die erste Meistersängerschule gegründet haben.
1.
Ich saz ûf einer grüene unt dâhte an maneger hande dinc, wie ich die werlt behielte, und ouch gên Gote iht wurde linc; dô kunde ich nie erdenken daz, daz mir iht töhte ûf solher hande ger. Mîn blœdekeit wart küene gedanke der ich vil verschriet; al nâch der werlte tücke mîn kintheit mir die wizze riet, daz nieman ûf der êren saz kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer. Ich strâfte vrouwen Êren, ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’ si sûfte, unt sprach ‘du tumber, schaz hât mich leider überwegen. man mac mîn wol mit schazze pflegen: schaz âne tugent dêst gegen mir ein kumber.’
2.
Swer Gotes brôt wil niezen unt sîn bluot darzuo, sîn bîhte er tuo ûz volles herzen gierde, sînes geistes wierde habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierde kein bruch in jage von Kristes ê; mit kreften des gelouben Er sol die Gotes vorhte in wârer minne haben, umb sie begraben der werlde lop, ir prîsen; er sol sich bewîsen den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen, der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben. Er sol ouch lûterlich vergeben schult, missetât unt widerstreben, sô mac er weben ein heilec leben; sîn herze ist Gotes tempel eben; Krist kan in solhen himeln sweben: die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben!
3.
Wie tœtet man die sorgen? wie wirt verwunnen allez leit? wie wirt gekrenket swære, wie senftet man grôz arebeit? wie leschet man des zornes vluot? wie wirt verschart daz triwe muoz jâmer klagen? Wie tar trôst vorhte bringen? wie wirt verjagt haz unde nît? wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu herzen gît, nâch liebe sende heilen tuot? swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen. Seht, als diu sunne erliuhtet den luft und alle vinsterheit, baz dürren muot erviuhtet ein reinez angesihte. daz touwet, regenet süezen lust in mannes herze, in mannes brust: jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte.