German poem
_Paternoster Und Symbolum Apostolicum._
by F. Max Müller (1823–1900)
[_Scherer D._ p. 43, _E._ p. 39.]
Aus dem Weissenburger Katechismus in einer Handschrift des neunten Jahrhunderts, die sich in der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel befindet. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 56.
Fater unser, thû in himilom bist, giuuîhit sî namo thîn. queme rîchi thîn. uuerdhe uuilleo thîn, sama sô in himile endi in erthu. Broot unseraz emezzîgaz gib uns hiutu. endi farlâz uns sculdhî unsero, sama sô uuir farlâzzem scolôm unserêm. endi ni gileidi unsih in costunga. auh arlôsi unsih fona ubile.
Fater unser, thû in himilom bist, giuuîhit sî namo thîn. Gotes namo ist simbles giuuîhit: auh thanne uuir thiz quedhem, thanne bittem uuir, thaz sîn namo in uns mannom uuerdhe giuuîhit thuruh guodiu uuerc.
Queme rîchi thîn. Rîchi gotes ist simbles endi eogihuuâr: thes bittem uuir thoh, thanne uuir thiz quedem, thaz gotes rîchi sî in uns endi thes diufles giuualt uuerdhe arfirrit fona uns.
Uuerdhe uuillo thîn sama sô in himile endi in erthu. Thes sculun uuir got simbles bitten, thaz sîn uuilleo uuerdhe samalîh in erdhu in mannom, sôso her ist in himile in engilom, cithiu thaz man in erthu sînan uuilleon giuuurchen megîn sama sô engilâ in himile magun.
Broot unseraz emetzîgaz gib uns hiutu. Allo mannes thurftî sintun in themo brôtes namen gameinito, thero er ci thesemo antuuerden lîbe bitharf. bithiu scal man dago gihuuelîches thiz gibet singan, sô huuer sô uuili thaz imo got gidago sînero thurfteo helphe.
Indi farlâz uns sculdhî unsero sama sô uuir farlâzzem scolôm unserêm. Sô huuer sô thiz quidhit, sô bitharf thaz er sô due sô her quithit, huuanda her fluochôt imo mêr thanne her imo guodes bitte, ibu her sô ni duat sô her quidhit: huuanda sô huuer sô andhremo arbolgan ist endi thiz gibet thanne singit, ther bidit imo selbemo thanne ubiles.
Indi ni gileiti unsih in costunga. Ni leitit got eomannan in ubilo thohheinaz; ûzzar thanne her then man farlâzzit, sô ist her sâr in costungôm. thaz meinit haz uuort, thaz her unsih ni farlâzze cithiu thaz uuir in ubil gileitte ni uuerdhên.
Auch arlôsi unsih fona ubile. In thesemo uuorde ist bifangan allero ubilo gihuuelîh, thero manne giterjan megi. bithiu sô huuer sô thiz gibet hlûttru muatu singit, gilouban scal her, thaz inan got thanne gihôrje: huuandaher ni bitit thâr ana elljes eouuihtes, nibu thes got selbo giboot ci bittanne, endi thâr sintun thoh allo mannes thurftî ana bifangano.
Gilaubju in got fater almahtîgon scepphjon himiles enti erdâ. Endi in heilenton Christ, suno sînan einagon, truhtîn unseran. Ther infanganêr ist fona heilegemo geiste, giboran fona Marîûn magadî, giuuîzzinôt bî pontisgen Pilâte, In crûci bislagan, toot endi bigraban. Nidhar steig ci hellju, in thritten dage arstuat fona tóotêm, Ûf steig ci himilom, gisaz ci cesuûn gotes fateres almahtîges: Thanan quemendi ci ardeilenne quecchêm endi dóodêm. Gilaubju in âtum uuîhan, uuîha ladhunga allîcha, Heilegero gimeinidha, Ablâz sundeôno, Fleisges arstantnissi, Liib êuuîgan. Amen.
_Vater unser, der du in den Himmeln bist, geheiliget sei dein Name. Es komme dein Reich. Es werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf Erden. Unser tägliches (beständiges) Brot gieb uns heute. Und erlass uns unsere Verschuldungen, so wie wir erlassen unseren Schuldnern. Und nicht geleite uns in Versuchung. Sondern erlöse uns vom Uebel._
_Vater unser, der du in den Himmeln bist, geheiliget sei dein Name. Gottes Name ist immer geheiligt: aber wenn wir dies sagen, so bitten wir, dass sein Name in uns Menschen werde geheiligt durch gute Werke._
_Es komme dein Reich. Das Reich Gottes ist immer und überall: darum bitten wir jedoch, wenn wir dies sagen, dass Gottes Reich sei in uns, und des Teufels Gewalt werde entfernt von uns._
_Es werde dein Wille so wie im Himmel auch auf Erden. Darum sollen wir Gott immer_ _bitten, dass sein Wille werde (geschehe) ganz gleich auf Erden bei den Menschen, wie er geschieht im Himmel bei den Engeln, damit die Menschen auf Erden seinen Willen zu vollbringen (wirken) vermögen, so wie die Engel im Himmel es können._
_Unser beständiges Brot gieb uns heute. Alle Bedürfnisse des Menschen sind mit dem Namen des Brotes gemeint, deren er zu diesem gegenwärtigen Leben bedarf. Darum soll an jeglichem Tage dies Gebet hersagen, wer immer will, dass ihm Gott täglich zu seinen Bedürfnissen verhelfe._
_Und erlass uns unsere Verschuldungen, so wie wir erlassen unseren Schuldnern. Wenn einer so spricht, so ist es nothwendig, dass er so thut wie er spricht, denn er ladet mehr Fluch auf sich, als er sich Gutes erbittet, wenn er nicht so thut wie er spricht: denn so einer wider anderen erzürnt ist und dies Gebet zu der Zeit hersagt, der erbittet sich dann selbst Übeles._
_Und geleite uns nicht in Versuchung. Nicht leitet Gott irgend jemand in ein Uebel: aber wenn er den Menschen verlässt, so ist er sofort in Versuchungen. Das bedeutet das Wort, dass er uns nicht verlassen soll, damit wir nicht in das Uebel verleitet werden._
_Sondern erlöse uns vom Uebel. In diesem Worte ist die Gesammtheit aller Uebel befangen, welche dem Menschen zu schaden vermögen. Darum soll, wer dies Gebet in lautrem Gemüthe hersagt, glauben, dass ihn Gott dann höre: weil er nichts anderes damit bittet, als was Gott selbst gebot zu bitten, und es sind doch alle Bedürfnisse des Menschen darin befangen._
_Credo in deum patrem omnipotentem, creatorem cæli et terræ. et in Iesum Christum, filium eius unicum, dominum nostrum. Qui conceptus est de 20 spiritu sancto, natus ex Maria virgine, passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus et sepultus. descendit ad inferna, tertia die resurrexit a mortuis, ascendit ad cælos, sedet ad dexteram dei patris omnipotentis: inde venturus iudicare vivos et mortuos. Credo in spiritum sanctum, sanctam ecclesiam catholicam, sanctorum communionem, remissionem peccatorum, carnis resurrectionem, vitam æternam. Amen._
AUS DEN FRAGMENTEN DER ÜBERSETZUNG DES MATTHÆUS-EVANGELIUMS.
[_Scherer D._ 43, _E._ 39.]
Herausgegeben in Endlicher und Hoffmann ‘Fragmenta theotisca’ (Vindobonæ, 1834; 2. Aufl. 1841).
Enti see saar alle dhea burgera fuorun _i_ngegin Jesuse enti sô inan gahsâhhun, bâtun _da_z er aufuori ûz fona iro marchôm. _En_ti genc er in sceffilîn, ubarferita dhen _ke_ozun enti quam in sîna burc. _En_ti see saar butun imo bifora laman licchen_t_an in bâru enti gasah Jesus iro galaupîn, _qu_had demo lamin: Gatrûê, sunu, forlaaz_sen_u dhir uuerdant dîno suntea; Enti see _saar_ ein huuelîhhe scrîbera quhâttun untar im: _Dh_ese lastrôt. enti sô Jesus gasah iro gadanchâ, _quh_at: zahuuiu dencet ir ubil in iuuueremo _muo_te? Huuedar ist gazelira za quedanne: _forl_âzseno dhir uuerdant dhîno suntea, _odo_ za quhedanne: arstant enti ganc? _Da_z ir auh uuizît, dhaz mannes sunu _hab_êt gauualt in herdhu za forlâzanne suntea, _Duo_ quhat dhemo lamin: arstant, nim _dii_n betti enti ganc za dînemo hûs. enti er _arstu_ont enti genc za sînemo hûs. Gasâhhun iz _diu_ folc, gaforahtun im enti aerlîhho lobôtun _got_, dher solîhha gauualtida forgab mannum.
_Et ecce tota civitas exiit obviam Iesu et viso eo rogabant, ut transiret a finibus eorum. Et adscendens in naviculam transfretavit et venit in civitatem suam. Et ecce offerebant ei paralyticum iacentem in lecto, et videns Iesus fidem illorum dixit paralytico: confide fili, remittuntur tibi peccata tua; et ecce quidam de scribis dixerunt intra se: Hic blasphemat. et cum vidisset Iesus cogitationes eorum, dixit: Ut quid cogitatis mala in cordibus vestris? Quid est facilius dicere: dimittuntur tibi peccata tua, aut dicere: surge et ambula? Ut sciatis autem, quoniam filius hominis habet potestatem in terra dimittendi peccata, Tunc ait paralytico: Surge, tolle lectum tuum et vade in domum tuam. et surrexit et abiit in domum suam. Videntes autem turbæ timuerunt et glorificaverunt deum, qui talem potestatem dedit hominibus._
MUSPILLI.
[_Scherer D._ 44, _E._ 40.]
Muspilli, ein alter heidnischer Name des Feuers (Holzzerstörer), von christlichen Dichtern auf den Weltuntergang übertragen. Die Verse, welche diesen Namen tragen, wurden, wie ihr erster Herausgeber Schmeller vermuthet, vielleicht von Ludwig dem Deutschen (843-876) auf leere Blätter und Ränder der Handschrift geschrieben, in welcher dieselben auf uns gekommen sind. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 3.
Daz hôrtih rahhôn ‖ dia werolt-rehtwîson, daz sculi der antichristo ‖ mit Êlîase pâgan. der warch ist kiwâfanit: ‖ denne wirdit untar in wîch arhapan. khenfun sint sô kreftîc, ‖ diu kôsa ist sô mihhil. Êlîas strîtit ‖ pî den êwîgon lîp: wili den rehtkernôn ‖ daz rîhhi kistarkan; pidiu scal imo helfan ‖ der himiles kiwaltit. der antichristo stêt ‖ pî demọ altfîante, stêt pî demo Satanâse, ‖ der inan varsenkan scal: pidiu scal er in derụ wîcstetî ‖ wuntêr pivallan. enti in demo sinde ‖ sigalôs werdan. doh wânit des vilo ‖ wîserọ gotmanno daz der wîho in demo wîge ‖ arwartit werde: sô daz Êlîases pluot ‖ in erda kitriufit, so inprinnant die pergâ, ‖ poum ni kistentit einîch in erdu, ‖ ahâ artruknênt, muor varswilhit sih, ‖ suilizôt lougiu der himil, mâno vallit, ‖ prinnit mittilagart, stên ni kistentit. ‖ denne stûatago in lant verit mit diu vuiru ‖ viriho wîsôn, dâr ni mac denne mác andremo ‖ helfan vora demọ muspille. denne daz preita wasal ‖ allaz varprennit enti vuir enti luft ‖ iz allaz arfurpit, wâr ist denne diu marha, ‖ dâr man dâr eo mit sînên mâgon piec? diu marha ist farprunnan, ‖ diu sêla stêt pidwungan, ni weiz mit wiu puaze: ‖ sâr verit si za wîze.
_Das hörte ich erzählen ‖ die Welt-Rechtsgelehrten, dass der Antichrist solle ‖ mit Elias kämpfen. Der Teufel ist gewaffnet, ‖ es wird unter ihnen Streit erhoben. Die Kämpfer sind so gewaltig, ‖ die Streitsache ist so bedeutend. Elias streitet ‖ um das ewige Leben: er will den Gerechten ‖ die Herrschaft stärken; dazu soll ihm helfen, ‖ der des Himmels waltet. Der Antichrist steht ‖ bei dem alten Feinde, er steht bei Satanas, ‖ der ihn versenken wird: darum soll er auf der Walstatt ‖ wund hinfallen und auf dem Pfade ‖ sieglos werden. Doch glauben viel ‖ weise Gottesmänner, dass der heilige in dem Kampfe ‖ verwundet wird. Wenn des Elias Blut ‖ auf die Erde tropft, so entbrennen die Berge, ‖ kein Baum bleibt stehn, kein einziger auf Erden, ‖ die Gewässer vertrocknen, das Meer verschluckt sich, ‖ es schwelt in Flamme der Himmel, der Mond fällt, ‖ es brennt Mittelgart, kein Stein bleibt stehn. ‖ Da fährt der Tag des Gerichts mit Feuer ins Land, ‖ die Menschen heimzusuchen, da vermag kein Verwandter dem andern ‖ zu helfen vor dem Weltbrand. Wenn der breite Gluthregen ‖ Alles verbrennt, und Feuer und Luft ‖ Alles hinwegfegt, wo ist dann die Mark, ‖ darum man einmal mit seinen Verwandten gestritten? Die Mark ist verbrannt, ‖ die Seele steht bedrängt, Weiss nicht, womit sie büsse: ‖ drauf fährt sie zur Höllenpein._
DIE ERSTEN MESSIADEN.