Versos German Fedor von Köppen Der Spielmann von Düppel

German poem

Der Spielmann von Düppel

by (1830–1904)

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Das war, fürwahr! ein Spielmann brav Bei Düppel auf dem Rasen; Der hub, als ihn die Kugel traf, Noch einmal an zu blasen.

Er stieß in’s Horn, so voll und stark – Das klang wie Siegeswonne; Sein Vorwärts drang in Blut und Mark Der preußischen Sturmcolonne.

Nun weht der Fähnlein Siegespracht, Wo die zehn Schanzen ragen – Sie sehen’s nicht, die still und sacht Auf Sänften fortgetragen.

Nun tönt der Siegesweisen Schall Hinaus zum Alsensunde – Sie hören’s nicht, die im Spital Still ruh’n mit blut’ger Wunde.

Und überall im Vaterland Auf stiegen Ehrenbogen – Schön Gretchen stand am Brunnenrand, Als heim die Sieger zogen.

Und spähte bang’ und suchte lang’, Bis ihr die Augen flimmern, Und wachte noch und weinte bang’, Als hoch die Sterne schimmern.

Da weht die Post ein welkes Blatt: „Lieb Gretchen, Du mußt wissen, Die Kugel, die mich traf, sie hat Auch Deinen Kranz zerrissen.

Nun suchst Du mich umsonst vielleicht Bei Siegesfest und Tanze – Hab’ nur ein Bein, das and’re bleicht Bei Düppel auf der Schanze.

Kann Dir nicht Halt und Stütze sein, Wie ich gehofft mit Stolze, Brauch’ selber Stütze auf einem Bein; Das and’re ist von Holze.

Drum nimm zurück Dein Ringelein, Und nicht in Thränen schmelze! Du sollst einen tüchtigen Burschen frei’n, Doch nimmer eine Stelze!“

Und Gretchen las und weint und lacht, Wohl beides um die Wette; Dann hat sie flugs sich aufgemacht Und saß an Traugott’s Bette:

„Ach Traugott, großes Herzeleid Hat mir Dein Brief bekundet; Nun weich’ ich nicht von Deiner Seit’, Bis Dir das Herz gesundet.

Was Dir der dumme Feind gethan, Laß nicht Dein Gretchen büßen! Ich traut’ mich Deinem Herzen an, Doch nimmer Deinen Füßen.

Mein Ringlein bleibt nur Dir geweiht, Und willst Du’s nicht mehr haben, Dann soll man mich an Deiner Seit’ Altjüngferlich begraben.“

Da war der Traugott bald gesund; Er ließ das Horn sich bringen Und stieß hinein von Herzengrund – Die Wände wollten springen.

„Gott lob, daß ich noch blasen kann! Nun blas’ ich fort die Sorgen; Auf einem Bein ein ganzer Mann Führt Dich am Hochzeitsmorgen.“

Fedor von Köppen.*