German poem
Der Trompeter vom Invalidenhause
by Fedor von Köppen (1830–1904)
Der Trompeter am Invalidenhaus Tritt vor mit dem Glockenschlage; Einst blies er zum Sturme beim Schlachtengebraus, Heut klingt’s zur Retraite wie Klage. –
So Mancher, der mit ihm einst Ehren gewann, Ist lange vor ihm geschieden Zur großen Armee – nun kommen daran Die letzten der Invaliden.
„Da bin auch ich in ihrer Zahl Zur Reserve aufgehoben; Bald blas’ ich Retraite zum letzten Mal, Muß selbst mich stellen dort oben.
Und seh’ ich – o Freude! – Euch wieder da, Ihr alten, liebwerthen Helden, Dann will ich Euch, was hienieden geschah, Getreu und redlich vermelden.
Denn Vieles hat sich verändert hier Im Laufe von sechzig Jahren; Die Alten werden sich wundern schier, Wenn sie durch mich es erfahren.
Das Kreuz von Eisen, so hochgeschätzt, Es ging nicht mit uns zu Grabe; Es tragen’s blutjunge Burschen jetzt – Sie achten’s als theuerste Habe.
Es reden von unsrer Victoria Bei Leipzig nicht viel mehr die Jungen – Sie reden von Sedan und Saint Privat Und wie sie Paris bezwungen.
Und Eines noch – Cameraden, kommt her! – Dies wird Euch noch besser gefallen – Gebt Achtung, präsentirt das Gewehr! Jetzt kommt das Beste von allen:
Prinz Wilhelm, der Cam’rad von Bar sur Aube, Hat den Kaiserthron jetzt bestiegen, Und unsere Jungen – ja wahrlich, Gott Lob! Sie können noch kämpfen und siegen.“
Der Trompeter stützt’ auf die Krücke sich, Ließ seine Trompete hangen; Er lauschte, wie ferne so feierlich Der Retraite Töne verklangen. – –
Drei Tage darauf an denselben Ort Antreten die Alten wieder. Es rief sie kein Horn, kein Commandowort – Still ordnen sich Reihen und Glieder.
Man trägt einen Sarg zur Pforte hinaus Bei gedämpftem Trommelschlagen: Der Trompeter vom Invalidenhaus Wird nach dem Friedhof getragen.