Versos German Ferdinand Stolle Am Christabend

German poem

Am Christabend

by (1806–1872)

Listen in the reader

Heil’ger Abend ist es wieder Und der Christbaum ist erblüht – In das Erdendunkel nieder Klingt des Himmels schönstes Lied; Und von Neuem wird vernommen Aus der Höhe liebereich: „Laßt die Kindlein zu mir kommen, Ihrer ist das Himmelreich.“

Und in tausend reichen Zimmern Prangt des Christbaums goldner Schein Doch das schönste Bäumchen schimmern Seh’ ich dort im Hüttchen klein. Brennt das Bäumchen auch nur Armen, Dürftig nur die Gaben sind – Hält die Mutter doch in Armen Selig ihr gerettet Kind.

Aus gar schwerem Krankheittraume Ist es wieder aufgewacht, Christus mit dem Weihnachtbaume Hat Genesung ihm gebracht. Das verfallen dunkelm Loose, Seiner nahm der Herr sich an – Freudig aus der Mutter Schooße Lacht es seinen Christbaum an.

Freudig streckt es seine Händchen Nach den Lichtlein arm und klein, Zappelmann am bunten Bändchen Will es gar so sehr erfreun. – Heil’ger Abend – goldne Kerzen Prangen hier nicht reich und schön – Aber schau zum Mutterherzen, Willst Du einen Christbaum sehn. F. Stolle.