German poem
O könnte mir ein Lied gelingen
by Ferdinand Stolle (1806–1872)
O könnte mir ein Lied gelingen, Wie Gott es selbst in’s Herz mir schrieb – Vor allen Thüren wollt’ ich singen Dies Gotteslied, so gut und lieb. Ich blieb’ bei jedem Herzen stehen, Das arm und krank, und klopfte an, Und würde eh’r nicht weiter gehen, Als bis man hätte aufgethan.
Die schwerste Last, sie wollt’ ich wälzen Von ihm durch dieses Liedes Gruß, Das härt’ste Eis, es sollte schmelzen Wie bei des jungen Frühlings-Kuß – Dann legt’ ich still von Gottes Segen, Wie er in meinem Herzen ruht, In’s kranke, das in matten Schlägen So bang’ und leise athmen thut.
Und wär’ Genesung ihm beschieden, So fleht’ ich still zum Himmelsaal: O Vater schenk’ auch Deinen Frieden Dem armen Herz nach langer Qual – Dann bät’ ich mir von Gottes Liebe Auch Blumen – und mit solchem Strauß Schmückt’ ich das Herz, das einst so trübe, Wie einen Himmelsgarten aus. F. Stolle.