German poem
Einhundert fünf und dreyßigstes Sonett: [Der Sehnsucht voll, durch die ich Feindschaft übe]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Der Sehnsucht voll, durch die ich Feindschaft übe All' anderm Sehnen und einsam durchs Leben Mich treib', hab' oft ich selbst mich aufgegeben, Die suchend nur, der besser fern ich bliebe; Und seh' vorbey sie gehn so süß und trübe, Daß bang die Seele strebt, flugs zu entschweben; So läßt der Seufzer Scharen sich erheben Die Schöne, die mir feind ist und der Liebe. Wohl seh' ich einen Mitleidstrahl ergossen Zwischen erhabenen umwölkten Brauen. Der mir das wehe Herz erhellt aufs Neue. Dann fass' ich mich, und bin ich nun entschlossen, Ihr offen meinen Jammer zu vertrauen, Ist deß so viel, daß ich den Anfang scheue.
More by Francesco Petrarca
- Einhundert ein und siebenzigstes Sonett: [Süß ist der Zorn, süß friedliches Bezeigen]
- Einhundert ein und vierzigstes Sonett: [So oft der Zeit ich und des Orts gedachte]
- Einhundert ein und zwanzigstes Sonett: [Wie Zeus und Cäsar auch, jener, zu schwingen]
- Einhundert fünf und achtzigstes Sonett: [Ihr Frauen, sinnig, froh, einsam zu sehen]
- Einhundert fünf und fünfzigstes Sonett: [Es pflegt mein Schiff zu Mitternacht im Kalten]
- Einhundert fünf und neunzigstes Sonett: [Held Alexander ward vom Zorn bezwungen]
- Einhundert fünf und sechszigstes Sonett: [O schöne Hand, die um mein Herz sich schläget]
- Einhundert fünf und siebenzigstes Sonett: [Lust spornet mich; Amor voraus mir ziehet;]