German poem
Einhundertstes Sonett: [So neuer Art wollt' ich von Liebe künden]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
So neuer Art wollt' ich von Liebe künden, Daß harter Brust ich tausendfaches Stöhnen Täglich entpreßt' und tausendfältig Sehnen In kaltem Herzen drin sich müßt' entzünden; Verfärbt würd' oft ich schönes Antlitz finden, Mitleidiger den Blick, getaucht in Thränen, Wie Solche pflegen, die ob eignem Wähnen Und fremder Schmach vergebens Reu' empfinden; Säh' rothe Rosen, die in Schnee weben, Vom Hauch bewegt das Elfenbein enthüllen, Das den von Marmor macht, der's nah gewahret, Und alles das, warum im kurzen Leben Ich nicht verzweifle, ja um dessentwillen Ich stolz mich seh' für letzte Zeit gesparet.
More by Francesco Petrarca
- Einhundert zwey und sechszigstes Sonett: [Die heitre Luft, die einen Weg gefunden]
- Einhundert zwey und siebenzigstes Sonett: [Reißender Strom, der du aus Alpenquelle]
- Einhundert zwey und vierzigstes Sonett: [Kühn zieh' ich durch der Büsch' unwirthbar Grauen]
- Einhundert zwey und zwanzigstes Sonett: [Ich sah auf Erden Engelsitte walten]
- Erstes Sonett: [Herrlich an mir zu üben seine Tücke]
- Es eilen unsre Tage
- Es hält sich ach! mein jammervolles Leben
- Euch, edle Herrinn, flimmert