German poem
Fünfzigstes Sonett: [Am linken Strand Tyrrhener-Meeres drüben]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Am linken Strand Tyrrhener-Meeres drüben. Allwo die Fluth erseufzt, in Wind zerstoben, Sah plötzlich jenen Zweig ich hoch erhoben, Von dem mit Recht manch' Blatt ich voll geschrieben. Zu denken da des blonden Haars der Lieben Trieb Amor mich, der drin begann zu toben. So in den Fluß, den Gräser überwoben, Sah ich mich, einem Todten gleich, getrieben. Da einsam zwischen Busch und Höhn verloren, Fühlt' ich Beschämung, die dem adelsvollen Herzen genügt; nicht braucht's da andrer Sporen. Mich freut es mindest, daß vertauscht die Rollen Augen und Fuß, da, weil der feucht ist, jenen Ein milderer April trocknet die Thränen.
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