German poem
Petrarca - Sonett 127
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Amor und ich, wir sehn mit süßem Grauen Nach ihr, als solche, die ein Wunder sehen; Sie lächelt, ihre Silberlaute wehen, Und sich nur gleicht sie, und nicht andern Frauen.
Aus schöner Ruh der stillen Augenbrauen Quillt Licht und Gluth, wie aus des Himmels Höhen, Und wer sich will zu reiner Lieb’ erhöhen, Wünscht dieß nur und kein andres Licht zu schauen.
Wie herrlich ist’s, wenn sie gleich einer Blume Im Grase sitzt — wenn sie in grünen Matten Des weißen Busens warme Lilien kühlet?
Wie lieblich, wenn in Lenzes Heiligthume Sie einsam sinnend wallt in holden Schatten, Und kräuselnd mit dem Gold der Locken spielet?