German poem
Gebet, Um Gott Einfältige Worte Anzubieten
by Francis Jammes (1868–1938)
Gleich jenem Bilderschnitzer, den ich heute Morgen sah, besorgt und still Im klaren Lichte sich auf seine Arbeit bücken, Heilige schnitzend für die Kanzel seines Dorfes: also will In meine Seele ich die frommen Bilder drücken. Er rief zu seiner armen Schnitzbank mich heran, Sein hölzern Werk zu sehn, und lange stand ich so davor Und sah den Löwenkopf zu Füßen von Sankt Markus und den Aar Zu Füßen von Johannes und Sankt Lukas in den Händen Ein offnes Buch, darin die heiligen Regeln ständen. Des Bildners Linke hatte übern Meißel sich gestreckt, Die Rechte, aufgehoben, hielt noch zaudernd einen Hammer ausgestreckt. Draußen auf Schieferdächern tanzte Mittagsluft in blauen Lichtern, Von welkenden Basilien stieg ein frommer Weihrauchduft empor Zu all den plumpen Heiligen mit den eckigen Gesichtern.
Mein Gott, so schöne heilige Arbeit haben meine Hände nicht bestellt. Du wolltest nicht, o Gott, daß ich zu dieser Welt In armer Stube käme, nah dem Fenster, wo zur Nacht Die Kerze tanzend vor den grünen Scheiben wacht. Und wo vom frühen Morgen an die hellen Hobel gehn. Mein Gott, wie gerne hätt' ich meine Heiligenbilder dir gebracht. Und all die zarten Kinder, die am Heimweg von der Schule sie gesehn, Ständen vor meinen weisen Königen entzückt, Die Gold und Weihrauch spendeten und Elfenbein. Und neben den drei Königen aus Morgenland Schnitt ich ins Holz so wie aus Weihrauch eine Wolke ein, Und hätte rings mein Bild mit Lilienkelchen ausgeschmückt, Demütig schön wie Trinkgefäße, die ich in der Armen Stuben fand.
Mein Gott, da immer noch mein Herz sich quält und fragt, Ob es in rechter Demut sich dir nahe, Nimm diese schlicht einfältigen Worte von mir an Statt eines Kanzelstuhls, darin die reine Magd Von früh bis spät Fürsprach mir hätt' getan.