Versos German Franz Werfel An eine alte Frau, die beim Diner servierte

German poem

An eine alte Frau, die beim Diner servierte

by (1890–1945)

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Wie feindlich sind die Gerichte, Der Duft, der den Weinen entweht? Hat nicht in jedem Gesichte Sich Stolz und Verachtung gebläht?

Die Frau’n in leichten Roben, Die zeigen Bein’ und Füße. Doch tückisch ist die Süße. Sie sind so hoch erhoben. Wer brächte ihnen Grüße, Wer wagte sie zu loben? Sie stürzen mich in altes Leid, In meine weite Einsamkeit.

Die Herren in den Fräcken, Gewillt mich hinzustrecken, Sind höflich und geschliffen, Zerreißen mich mit Kniffen.

Die Diener, die da lauern, Sie bringen mich zum Trauern. In Blicken, die mich trafen, Heißts: Hund, wir möchten schlafen! Da tratst du ein, Alte, lächelnd, mit der Schüssel! Neigtest dich traut auch zu mir, Beseligende. Warst um mich, Erscheinung, Und ich fühlte viel in Tränen, Was da war, als du weiltest. Der Wind vor herbstlichem Haus in Stoppeln, Wenn du die Buben schiltst. Das Öl, Womit du die Brust des Kranken einreibst. Dein Wachen an kleinen Betten Und die verbrannten Hände. Dein Schlafengehn, Wenn das Küchengas stirbt. Dein Bald–Aufstehn, Wenn durch die störrische Frühe Die Laternen und Glocken der frischen Milchwagen schaukeln. Dein Sonntag-Nachmittag, Wenn draußen die tausend traurigen Schritte Sind und niederfallen die braunen Blätter des Himmels Und du die Lampe rüstest.