Versos German Franz Werfel Am Abend

German poem

Am Abend

by (1890–1945)

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Am Abend trat ich ein in einen Laden Und sah die vielen einmaligen Bilder Der hängenden Tiere, der harrenden Fische. Sah die vorbeigetragenen Gesichter der Verkäuferinnen.

Groß zogen durch mein Herz Die weichen Schritte draußen, Des Himmels goldener Niedergang Und die steigenden Lieder Der eingesperrten Vögel in den tausend Wohnungen.

Und auch ein Kind war da, Bucklig ein Mädchen mit steifem Haar Und armen Schuhn an armen Füßen. (Den eingekauften Käse tut’s in einen Korb.) Und siehe! Es traf mich einmal und nicht wieder Ein Blick aus seinem Auge. Einmal und nicht wieder Ein Blick aus seinem Auge, das erfüllt war Von meiner Seele und von seiner Seele. Ein Blick aus einem Auge, dessen Fläche, Meerfläche war von Meeren dieses Sterns und aller Sterne.

Da fühlte ich wunderbar Die unwiederbringlichen Ruinen der Dämmerung, Die morgen wieder auf allen Bergen stehn. Da fühlte ich Das goldene Heute der Sprotten, das nicht wiederkehrt Und doch unsterblich ist.

Da fühlte ich Den Spöttern allen mich als letzter Bruder. Und daß von meiner Wahrheit, fühlte ich, Die doch vergeht, kein Gran vergänglich ist.

Am Abend überging mein Wesen da von Gott.