German poem
Als es fünf geschlagen
by Franz Werfel (1890–1945)
Als es fünf geschlagen, Wußt’ ich nichts von dieser trüben Zeit. Meine Augen lagen Noch im Dunkel geist- und traumbereit.
Ach nach kurzer Weile Weckt mich flüsternd ja die Stimme alt. Aufzustehn in Eile, Mahnt die treu sich nähernde Gestalt.
Feuer unterdessen Schlüpft im Ofen schattenhaft entfacht. Flammenschein gemessen Hat sich’s überall bequem gemacht.
Und im Speisezimmer, Weiß ich, steht das Frühstück unberührt. Guter Lampenschimmer Kniet auf Büchern, kindlich zugeschnürt.
Als es fünf geschlagen Wuchs im Traum die alte Wohnung auf, Und vorbei wie Wagen Zogen Möbel im gedämpften Lauf.
Und es währt nicht lange, Als ein helles Kind ans Lager schlich Und zu Mund und Wange Feucht sich neigte, lachte und entwich. Wie von Furcht getrieben Und voll Zärtlichkeit erhob ich mich. Atmen meine Lieben In den Zimmern hören wollte ich.
Doch hervorgetreten Stand ein Fenster auf, noch nie erschaut. Turm und Wipfel drehten Sich im Finstern, feindlich angestaut.
Sah, wie mit Entsetzen Sturm die Nacht zerriß in schwerem Flug. Und zerfranste Fetzen Um dies Haus, ein fernes, fremdes schlug.