German poem
Bey Henriettens Grabe
by Friederike Brun (1765–1835)
Schlummre sanft im Schooß der Erde, Holdes Mädchen! warm geliebt; Deine schöne Seele werde Nicht durch unsern Gram betrübt!
Losgewunden von dem Staube Fleug’ mit schnellem Flug hinauf – Und des Himmels schönste Laube Nehm’, Entschleierte! dich auf.
Nur dein lieblich Bild begleite Jedes Mädchen, sanft und gut; Unschuld war dein hehr Geleite, Und der Tugend ernster Muth.
Ausgelöscht und eingesunken Ist dies Aug’ und dieser Blick! Neugeboren, wonnetrunken, Schaust du nun nicht mehr zurück!
Nein! empor, empor zu schweben, Tief ins Heiligthum hinein, Strebt dein Geist; dein neues Leben Stralt von Kraft und ew’gem Seyn.
Ruhe denn im Schooß der Erde, Zarte Hülle! leicht zerstört; Und der Freundschaft Sehnsucht werde In der Hoffnung Stral verklärt.