German poem
Ausdauer
by Friederike Kempner (1828–1904)
Wenn ich so in Unruh' lebe, Zwischen Angst und Hoffnung schwebe, Sagt mir Etwas: habe Muth, Noch 'ne Weile, dann wird's gut. Einst noch, ja auf Erden hier, Wird ein Ruhehafen Dir, Wie Oase in der Wüste, Leuchtet Dir die schöne Küste! Und zu diesem sichern Port, Auf zu diesem Wonneort, Wird Entsetzen, Qual und Bangen— Diese Fluthen nie gelangen!
Dort Du auf vergang'ne Stürme, Die vor Dir einhergebraust, Wie auf kleine Kartenthürme Gleichgültig herniederschau'st. Ja, es wird Dir Freiheit, Frieden, Wonn'ge Ruhe noch hienieden, So ward es von Gott beschieden: Sei indeß damit zufrieden!
Das Paradies verschwand, Die Erde vor mir stand Ganz schwarz und anzubaun: Mich faßt ein tiefes Grau'n.
Doch faßt' ich mich geschwind, Und rasch, wie Seltne sind, Ward ich ein Ackersmann Und fing die Arbeit an;
Bald ward die Erde grün, Und tausend Blüthen blühn, Das Paradies von Neu Erstand, bei meiner Treu!
Arglos und harmlos, Durchs Leben hin, Kommt mir das Böse Nicht in den Sinn!
Arglos und harmlos, Glücklich ich bin, Hör' ich das Böse, Denk' ich nicht hin!
Und kaum ist's verhallt, Vergess' ich es bald, Vergesse um zu vergeben, Vergebe, um zu erheben. Zum reinen Leben, Durch güt'ge Gewalt.