German poem
Feldarbeit
by Friederike Kempner (1828–1904)
Arme Menschen, arme Thiere, Ist's noch finster, müßt ihr raus! Arme Thiere, arme Menschen, Lang' ist's finster, geht's nach Haus.—
Ein Reiter auf der Haide, Er trägt ein Wams von Seide, Ein weißes Wams, 'n schwarzen Hut, Er scheinet noch ein junges Blut, Er scheinet noch ein junges Blut.
Er führt sein Pferd zur Weide, Zu einer Trauerweide, Dort harret, ach, die Liebste sein Mit Augen frisch, wie Bächelein, Mit Augen frisch wie Bächelein.
»Du, meine Augenweide, Mein Blümlein auf der Haide, Du gleichst dem Reh im dichten Wald, An wunderlieblicher Gestalt, An wunderlieblicher Gestalt!«
So schmeichelt auf der Haide Der Ritter in der Seide, Der schlanken frischen Bauernmaid: Er hat sie aber nie gefreit, Er hat sie aber nie gefreit.
Der Mond erscheint, Er hat geweint. Man sieht es ihm an Dem traurigen Mann.
Aus jenen Höhn Hat er gesehn Des Bösen so viel— Gefährliches Spiel.—
Die Menschen all', Sie spielen Ball Mit jeglichem Gut, Mit Flamme und Gluth;
Der Weisheit taub, Der Thorheit Raub, Dem Bösen so hold, Und so hold dem—Gold.
Der Mond erscheint, Ach, ganz verweint, Er sah zu viel Vom bösen Spiel.—
Zertrümmert das Leben, Zertrümmert das Glück, Die Freuden, sie schweben, Ach, niemals zurück.
Geopfert das Leben Der höchsten Idee— Umsonst es gegeben— Wem thät' es nicht weh?
Geopfert das Leben Dem menschlichen Glück, Sie schlugen das Streben, Zerschlugen's in Stück'.—
Geopfert das Leben Der höchsten Idee— Umsonst es gegeben: Wem thät' es nicht weh!