German poem
Lord Byron
by Friederike Kempner (1828–1904)
Eine Blume blühet Dunkler Horizont— Bei dem schweren Wetter Schwerlich sie sich sonnt.
Eine Blume blühet— Dunkler Horizont— Schwarze Wellen peitschet, Schäumt der Hellespont;
Eines Mannes Hand Tauchet oben auf In der Fluthen Lauf.
Byron schwamm an's Land Wo die Blume stand Gab den Geist er auf.
Die Wolken sich thürmen Am himmlischen Zelt, Gepeitschet von Stürmen Ein Strahl sie erhellt;
Ein Sonnenstrahl eilet Zerstreuet sie bald, Im Nu sie zertheilet Des Lichtes Gewalt.
Im menschlichen Leben Erleuchtet ein Strahl Des Friedens manchmal Die menschliche Qual: Die Wolken entschweben, Die Freuden sich heben.
Auf des Lebens Ocean Fährt der Dampfer stolz geehrt, Mancher, ach, im schwanken Kahn Stehend jeder Welle wehrt.
Seht das Schiff mit sichrer Hast Fast im Hafen liegt— Und der Nachen ohne Rast Auf den Wogen fliegt.
Himmelhoch und Abgrundstief —Gott, der Mensch zu Hilfe rief— Endlich er vor Anker lief; Doch es rennt des Dampfers Last An der Klippen mächt'gen Ast Und zerschellet Kiel und Mast.—