German poem
Nach der Aufführung »Rudolfs II.« in Berlin
by Friederike Kempner (1828–1904)
Der Lorbeer liegt in meinem Zimmer, Der Himmel mir ihn gab! Ich will ihn nächstens tragen Auf meiner Mutter Grab.
O wißt ihr, was ich denke? O nein, ihr wißt es nicht! Wenn ich mich ganz versenke, Dann denk ich ein Gedicht!
Ein leeres Bauer, ein leeres Haus, Das sieht so triste und traurig aus, Wo sind Deine Bewohner, Du leerer Raum? Entschwunden, versunken, ein seliger Traum!
Es geht die Zeit den sichern Gang, Den Gang zur Ewigkeit. Die Zeit ist kurz, die Zeit ist lang— Der Weg bald schmal, bald breit!
Motto: Der Weg zur neuen Bildung geht Von Humanität Durch Nationalität Zur Bestialität.
(Grillparzers Gedichte.)
Zanket nicht, hetzet nicht, Friedlich scheint das Sonnenlicht, Laßt die Juden und die Christen Ungekränkt ihr Leben fristen.
Zanket nicht, hetzet nicht, Jedem scheint das Sonnenlicht, Laßt die Christen und die Juden, Muselmänner, Botokuden;
Lasset Alle ungestört, Jede Feindlichkeit zerstört Harmonien nah und fern! Lobet Alle Gott, den Herrn, Dessen güt'ge Vorsicht hört Solch Gezänke gar nicht gern!
Wehmüthig, Demüthig, Viel verkannt und tief gebeugt, Ist der Mensch, vom Weib erzeugt.
Untergeh'nde Sonne, sprich, Wird es ewig dauern, All das düstere Mißgeschick, Alt das dumpfe Trauern?
Brüderlich, brüderlich, Nennt die Welt das Ideal, Die Utopie, die einstmal Sich verwirklicht feierlich!
Weißt Du was, ich will Dir sagen, Was die Weltgeschichte ist: Ein Gemisch von Thrän' und Klagen, Falschheit, Grausamkeit und List.
Auch Goethe war nicht unfehlbar, Was auch die Goethe-Jünger meinen: Was sich nicht schickt, schickt sich für Keinen, Für Jeden das, was recht und wahr.
O Faust, Du Bild des Menschen, Bald groß und klar, bald düster wild Wer Dich gemalt, er war an Kunst ein Riese, Gigantisch war der Stoff, und schön gelang das Bild.
Nicht Farbe und nicht Glaube, Sie trennen uns nicht mehr, Es fiel der Zeit zum Raube, Was uns geschmerzt so sehr.
Du willst verbinden, was sich ewig flieht, Die Tugend mit dem ird'schen Glück? Wie sich Dein Geist auch drum bemüht: Eins weichet vor dem Anderen zurück.
Gott ist groß, Dein Sinn kann ihn nicht fassen,— Kannst Du Sterne zählen, des Meeres Wellen?— Lieb' und Güte, Gnade, die er Dir erweist, Notir' so viel Du kannst, wenn's auch unzählbar ist.